Family, Kids & Co Gedanken

Wenn Menschen gehen: Circle of life!

Meine Oma ist gestorben. Heute findet die Trauerfeier für meine Oma statt.

Oma war ein Kind der 30er – Kriegsgeneration – sie hat viel erlebt, schon als Kind viel gesehen, viel schreckliches, dass wir uns nicht annähernd vorstellen können. Sie hat der Welt 2 Kinder geschenkt, bekam 4 Enkelkinder und 2 Urenkel geschenkt. Mit 80 Jahren – am vergangenen Dienstag schloss sie ihre Augen.

Wisst ihr, das Leben ist so, es beginnt und es endet. Das ist keine Neuigkeit, das ist keine große Erkenntnis, doch das zu akzeptieren und anzunehmen und in dem Moment wo man damit konfrontiert wird – zwar traurig, dennoch einverstanden damit zu sein – das ist nicht selbstverständlich, das ist nicht einfach.  Wir werden geboren, darauf haben wir keinen Einfluss und wann wir wieder gehen, darauf haben wir auch keinen Einfluss. Damit zu hadern macht (für mich!) keinen Sinn.

Das klingt sicherlich in mancher Leuts‘ Ohren sehr pragmatisch, vielleicht kühl? Möglicherweise denkt die eine oder andere, die mit mir gesprochen hat in den letzten Tagen oder mir begegnet ist, wie abgebrüht ist sie denn? Ich denke es ist weder Kühle noch Pragmatik, noch Emotionslosigkeit, es ist einfach eine Haltung nach der tiefgreifenden Erkenntnis, dass der Tod zum Leben gehört wie das Leben selbst und das ein schmerzloser Tod, ohne Qual, ohne Angst, ohne monatelangem Kampf ein sehr gnädiger Tod ist.

Ich habe eine Erfahrung machen müssen vor ein paar Jahren, die mich sehr geprägt hat. Frisch verheiratet, frisch aus den Flitterwochen wieder zuhause erfuhren wir, dass unser Papa Krebs hat. Ja Krebs, das Arschloch, die fiese Krankheit, die Menschen gnadenlos zugrunde richtet. „Nicht mehrjährig“ – lautete es damals am Tag der Diagnose, was auf den Tag genau ein Jahr heißen sollte. Er kämpfte für sich, für uns, mit sich, mit uns, wir für ihn, wir für uns – es war ein einziger Kampf – das ist es, was mich heute noch weinen lässt darüber – der Kampf, die Schmerzen, die Aussichtslosigkeit, die Gewissheit darüber und die Hoffnung, die immer wieder im Keim erstickt wurde. Aber ich weine nicht über den Tod, denn der war erlösend, nicht über den Zeitpunkt, denn das war sein Schicksal. Er hat mich einmal gefragt: „Meinst du, ich treffe sie dort wieder?“ Mit sie meinte er seine Mama, die sehr früh gestorben ist. „Ja, du wirst sie dort wiedertreffen“ – habe ich zu ihm gesagt und ihn in den Arm genommen. Ich glaube fest daran, er hat auch fest daran geglaubt. Das tut gut.

wenn menschen gehen

Letztendlich hat diese furchtbare Krankheit auch meinen Papa überwältigt, er konnte nicht mehr standhalten und hat vor 4 Jahren, 1 Monat bevor seine erste Enkeltochter das Licht der Welt erblickte für immer seine Augen geschlossen. Und auch wenn es schrecklich war, mich noch nie eine so tiefe Traurigkeit ergriffen hat zuvor, war es verbunden mit viel Dankbarkeit –  Dankbarkeit, dass er nicht noch mehr leiden musste, Dankbarkeit für die Zeit, die man gemeinsam hatte.

In Tagen wie diesen, wenn wieder ein Mensch geht, sind die Gefühle wieder präsenter, ist der Schmerz wieder intensiver, die Dankbarkeit wieder größer, die Erkenntnis wieder bewusster. Man möchte sie umarmen, sie hören, sie riechen, ihnen vieles sagen – aber das geht nicht. Dann mache ich mir Musik an. Musik, die wir zusammen gehört und gespielt haben. Mein Papa war ein großer Fan von Bryan Adams. Wenn ich Bryan singen höre, höre ich Papa, nicht weil sie die gleiche Stimme hätten, sondern weil wir es so,so oft zusammen gehört haben.

Papa, in Gedanken bei dir! Jeden Tag bist du da, wo ich bin!
Oma, alle Ehre gebührt dir!

Wenn ihr einen geliebten Menschen verliert, tut mir das sehr leid für euch. Jeder Mensch bewältigt Trauer anders, jeder Mensch verkraftet Schicksalsschläge anders, vergesst aber bitte nie, es geht immer irgendwie weiter, immer versuchen nach vorne zu schauen, nicht nur zurück. Die Erinnerungen bleiben für immer eure, so leben eure Liebsten weiter, in euch, mit euch und durch euch!

 

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