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Vereinbarkeit – Irgendwas bleibt immer auf der Strecke

Der Beitrag ist schon ziemlich alt, Anfang 2015 durfte ich auf dem tollen Blog Stadt-Land-Mama einen Gastbeitrag veröffentlichen. Ich habe ihn gerade wiederentdeckt und wollte ihn denjenigen, die ihn noch nicht kennen, nicht vorenthalten:

Als ich letztens abends neben meiner Tochter im Bett lag, es mittlerweile nach 21 Uhr war und ich zum wiederholten Male versucht hatte, mich aus dem Zimmer zu schleichen, weil ich leider angetrieben von den tausend Dingen, die ich noch am Schreibtisch zu tun hatte, ganz abgesehen von der Bügelwäsche die sich in drei Wäschekörben stapelte, weil ich die ganze Woche keine Zeit hatte die Wäsche zu bügeln, weil meine Große ja krank war und daher nicht in den Kindergarten gehen konnte, keine Ruhe dazu hatte, meine Große sanft und voller Ruhe und Besinnlichkeit in den Schlaf zu begleiten (Moment ich drohe den roten Faden zu verlieren), kamen mir plötzlich drei Zahlen in den Kopf:

24/7/53.

Könnt ihr nach diesen 115 Wörtern ohne Punkt, aber immerhin mit Komma, noch folgen? Die Sätze fühlen sich doch an, als würde man von einer Sache zur nächsten hetzen und während man gerade mit einer Sache beschäftigt ist, tummeln sich im Kopf schon wieder 100 weitere Gedanken, Ideen, Aufgaben, die es noch zu denken, umzusetzen, zu erledigen gibt.

Wenn ich mich dabei ertappe, wie mir das passiert, obwohl ich gerade mit meiner Großen oder meiner Kleinen beschäftigt bin, vielleicht mit Spielen, mit Malen, mit Erklären, bekomme ich oft ein schlechtes Gewissen. Aber auch dafür ist eigentlich reichlich wenig Platz. Denn offensichtlich stiehlt ja das schlechte Gewissen auch nur wieder den Platz für irgendetwas anderes, vielleicht viel Wichtigeres, weil vielleicht etwas viel Effektiveres – oder vielleicht einfach nur eine Runde Kuscheln mit den Kids, entspannen und Kraft tanken.

Wir müssen effektiv planen und effektiv handeln, unsere Zeit sinnvoll einteilen, damit wir diesen Job leisten können. 24/7/53 (24 Stunden am Tag -7 Tage in der Woche -53 Wochen im Jahr) managen wir unser Kinder, unseren Haushalt, unser Familienleben und alles drum herum.

Und dann ist da noch der Job. Wenn das dann ein selbstständiger Job ist, ein Job, bei dem du quasi dein eigener Chef bist und dich und diesen Job eigenständig so managen musst, das es auch irgendwie voran geht, dann bist du neben 24/7/53 Mama & Familienmanagerin auch ganz schnell 24/7 selbständig schaffende und ja, da muss man dann wohl irgendwann die Reißleine auch mal ziehen. Genauso wie wahrscheinlich viele 24/7/53 und Teil-oder Vollzeit beschäftigte Mamas darüber erzählen können, dass der Spagat zwischen Arbeiten und Mamasein wirklich riesig und manchmal auch nicht machbar sein kann.

Ich liebe meine Arbeit, es macht mir großen Spaß und dann, wenn ich mich voll darauf konzentrieren kann und effektiv sein kann, bin ich vollkommen zufrieden damit. Aber ich muss auch gestehen, dass ich nicht so selbstständig-arbeitend sein kann, wie es jemand sein kann, der keine Kinder hat. Die Flexibilität ist einfach nicht gegeben. Denn ich muss, wie alle Mamas auf dieser Welt, meine Zeit auch meinen Kindern und meiner Familie widmen, ich muss 100% in meine Mama Rolle eintauchen können, den Haushalt, kochen (was bei gutem Essen wirklich viel Zeit in Anspruch nimmt!), putzen, waschen, bügeln… All diese Dinge, die eben auch dazu gehören, über die man nicht nachdenkt, die aber zu erledigen sind,  Zeit in Anspruch nehmen und davon nicht wenig, müssen auch mit eingeplant werden. Irgendetwas bleibt dabei auf der Strecke – definitiv!

Ja, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich finde sie eine Herausforderung und ich finde sie schwierig. Ich fand sie als Angestellte mit einem Kind schwierig und ich finde sie als Selbstständige mit zwei Kindern schwierig. Aber sie reizt mich, sie fordert mich wirklich heraus und es macht mir meistens Spaß, die Herausforderung anzunehmen. Oft mit gutem Ergebnis, sehr oft aber auch mit dem Ergebnis, dass etwas zu kurz kommt, entweder die Arbeit, die Kinder oder der Haushalt (Freunde, Freizeit, so etwas kommt übrigens immer zu kurz. Meinen lieben Freunden an dieser Stelle ein großes Dankeschön für ihr Verständnis).

Die Wirtschaftswoche publizierte kürzlich einen Artikel zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf ‚Die Lüge von der Vereinbarkeit. Irgendwie sprach mich der Titel stark an. Das einfach mal offen an- und ausgesprochen wird, dass Familie und Beruf als Mama eben nicht so easy zu vereinbaren sind, wie es oftmals suggeriert wird, finde ich äußerst sympathisch und es tat mir gut, das zu lesen.

Als ich las, dass es nicht nur mir so geht mit dem Umstand, dass ich des Öfteren rudere in einem offenen Meer an Aufgaben, Verpflichtungen, Wünschen und manchmal eben auch einfach nur tausenden sich verknotenden Gedanken in meinem Kopf, fühlte ich mich gleich ein wenig besser und hatte ein klein wenig weniger schlechtes Gewissen. Geteiltes Leid ist ja bekanntermaßen halbes Leid 🙂

Das beworbene Buch „Geht alles gar nicht“ der Journalisten Marc Brost und Heinrich Wefing werde ich auf jeden Fall kaufen. Die darin geführten Interviews mit Eltern über das Thema Vereinbarkeit und das Fazit, dass man wohl einer großen Illusion erliege, wenn man davon ausgehe, dass Familie und Beruf sich problemlos miteinander vereinbaren lassen, lassen mich neugierig warten.

Mein Fazit zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf wird auf jeden Fall lauten: Es ist eine Herausforderung, jeden Tag, jeder Job für sich, der Mama Job, genauso wie der ‚Job-Job‘, beides benötigt für sich alleine stehend oftmals eigentlich vollste Aufmerksamkeit und Konzentration. 24/7/53!

Das können wir aber gar nicht leisten, denn unser Tag hat ja nur 1×24 Stunden, also müssen wir Kompromisse eingehen, Abstriche machen, Prioritätenlisten führen aber letzten Endes (und das ist meine ganz persönliche Meinung) müssen wir für diejenigen 24/7/53 da sein, die uns wirklich brauchen, die zumindest in jungen Jahren abhängig von uns sind und in deren Welt wir zumindest solange sie klein sind die Größten sind.

 

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