Familie

So erlebte ich die Geburt während der Corona Pandemie

Unsere kleine Elanur wurde inmitten der Corona Pandemie geboren. Am 28. Mai 2020 erblickte sie das Licht der Welt. Der erste Lockdown war bereits vorüber und es gab einige Lockerungen, dennoch waren die Krankenhaus Regelungen streng. Ich hatte mich bereits mehrfach im Krankenhaus telefonisch nach den aktuellen Maßnahmen erkundigt und war immer wieder darauf hingewiesen worden, dass der Vater des Kindes bei der Geburt dabei sein dürfe aber erst, “wenn die Geburt richtig los ginge”. Natürlich machte ich mir meine Gedanken, wie dieses “richtig los gehen” wohl definiert sei. Ich stellte mich darauf ein, weite Strecken der Geburt alleine hinter mich zu bringen.

Ups, ist das wohl ein Blasensprung?

Es kam, wie es kommen musste: am 27.5. stellte ich zuhause fest, dass die Fruchtblase wohl gerissen sein musste. Weder bei Emi noch bei Selma war das passiert, so dass mir diese Situation völlig neu war. Ich war erstmal ziemlich unsicher, ob es sich wirklich um einen Blasenriss gehandelt hatte und die Geburt dann nun also tatsächlich kurz bevor stehen sollte. Da mein Mann im Homeoffice arbeitete und die Schulen geschlossen waren, waren alle daheim. Ich packte noch die letzten Sachen in meine Krankenhaus Tasche, erklärte den Kids, dass wir nun zum Krankenhaus fahren würden. Sollte es tatsächlich losgehen, würden sie bei Freunden unterkommen, die wir bereits informiert hatten.

Zu diesem Zeitpunkt hoffte ich noch sehr, dass ich nochmal nach Hause dürfte, denn mir war sofort klar, dass weder mein Mann noch die Kinder die Klinik betreten dürften. Das war kein schöner Gedanke. Angekommen ging ich alleine in den Kreissaal, mein Mann und die Kinder blieben drausen, sie warteten, ich wurde untersucht.

Untersuchungsergebnis: Blasensprung, aber keine Wehentätigkeit. Man klärte mich auf, dass ich im Krankenhaus bleiben müsse, nach 12 Stunden ein Antibiotikum bekommen würde und man spätestens 24 Stunden nach dem Blasensprung mit einer Einleitung beginnen würde, sollte die Geburt bis dahin nicht von selbst weiter voran geschritten sein. Ich war überfordert. Der Gedanke alleine nun dort bleiben zu müssen machte mir Angst, war ich noch traumatisiert von den Erlebnissen meiner Meningitis Erkrankung im Dezember. Doch es blieb mir nichts anderes übrig, ich blieb, mein Mann ging. Er brachte die Kinder zu unseren Freunden und kam zurück zum Krankenhaus. Wir gingen draußen spazieren, nichts tat sich! Minimale nicht erwähnenswerte Kontraktionen. Irgendwann verabschiedeten wir uns, er fuhr nach Hause, ich musste bleiben. Sollte sich etwas ändern würde er informiert werden und würde zum Krankenhaus kommen.

Die Nacht war unruhig, doch es ging nicht voran. Ich bekam mein Antibiotikum und versuchte mich auszuruhen.

Alleine und überfordert – so hatte ich mir meine Geburt nicht vorgestellt

Am nächsten Morgen wurde ich über den geplanten Ablauf informiert: Zuerst CTG um 8 Uhr, dann würde ich die Einleitungstablette nehmen gegen 12 Uhr und dann abwarten…

Ich merkte schon, dass das Personal viel zu tun hatte, es war viel los, man eilte hektisch durch die Gänge. Ich versuchte mich davon nicht beirren zu lassen. Angeschlossen ans CTG drückte man mir eine Notklingel in die Hand und ließ mich alleine. Meine Gedanken kreisten um die unmittelbar bevorstehende Einleitung. Innerlich widerstrebte es mir, doch hatte ich in der Situation und in diesem Moment keine Alternative. Nach etlichen Whatsapp Nachrichten mit meiner Schwester, die als Gynäkologin mir besänftigend die Angst vor dieser Tablette nahm, wurde ich ruhiger und konnte mich während des CTGs sogar etwas entspannen. Ich schlief fast ein, erschöpft von der vorangegangenen Nacht, als plötzlich das CTG Gerät hektisch anfing zu piepsen und sämtliches Personl zu mir in den Raum gerannt kam, meinen Arm nahm, an dem noch ein Zugang gelegt war und mir irgendein Medikament spritzten. Ich verstand nichts, hörte nur immer wieder das Wort Herztöne und spürte unsanftes Rütteln an meinem Bauch. Dieser Moment war beängstigend. Als sich die Herztöne der kleinen Ela wieder normalisiert hatten, blieb die Hebamme noch einen kurzen Moment im Raum, ließ mich dann aber mit der Notklingel alsbald wieder alleine. Ich fühlte mich so alleine gelassen und hilflos. Mein Mann war mittlerweile auch wieder am Krankenhaus angekommen, aber durfte nicht rein. Er saß draußen im Auto und ich… ich blieb weiter alleine.

Endlose CTG Sessions

Irgendwann kam eine Schwester, befreite mich vom CTG und gewährte mir einen Spaziergang mit meinem Mann, allerdings nicht zu lange, da dann die Tablette zur Einleitung verabreicht werden würde. Ich hatte nach wie vor minimale Kontraktionen. Wir spazierten gemeinsam draußen und ich konnte mich ein wenig entspannen.

Zurück in der Klinik nahm ich die Einleitungs-Tablette ein und wurde in ein Wehenzimmer gebracht. Vertrau dem Personal Johanna, sie wissen alle was sie tun, sie können das – sagte ich mir – aber es fiel mir schwer. Nach wie vor war ich alleine, doch ständig per Whatsapp in Kontakt mit meinem Mann, der draußen im Auto saß und wartete, dass er rein gelassen werden würde.

Die Geburt

Als die Intensität der Wehen stärker, der Abstand kürzer wurde und ich eindringlich darum bat, meinen Mann nun dazu holen zu dürfen, wurde meinem dringlichen Wunsch nachgegangen und er durfte mich endlich mental unterstützen. Von diesem Zeitpunkt bis zur finalen Geburt vergingen noch vier Stunden.

Vier Stunden voller Zuversicht und Vorfreude, Schmerzen und Anstrengung. Ich hatte mich intensiv auf diese Geburt vorbereitet, sprach mir meine Mantras immer und immer wieder vor und es wirkte. Ich war deutlich ruhiger, fokussierter und mehr bei mir als bei den anderen beiden Geburten, veratmete wirkungsvoll und ließ die Wehen wie Wellen mich durch diese Stunden lenken. Die Hebammen spürten meinen Wunsch nach Ruhe und Zweisamkeit und überließen uns rücksichtsvoll uns selbst. Nun konnte ich die Geburt geschehen lassen und es lief wunderbar. Außer Buscopan erhielt ich keine weiteren Schmerzmittel. Als ich merkte, dass sich etwas veränderte und unsere kleine Ela nun wirklich bald da sein würde, rief ich die Hebammen und bat sie darum, die Badewanne für eine Wassergeburt vorzubereiten. Sie begleiteten mich in den Raum, das Licht wurde gedimmt, das Wasser eingelassen. Auch unsere beiden ersten Töchter wurden beide im Wasser geboren und es war jedes Mal ein wunderschönes Erlebnis! So sollte es auch dieses Mal sein. Mein Mann sagte mir, dass bereits die Wärmelampe am Wickeltisch angemacht wurde und die Hebammen schon das Geburtsbesteck bereit gelegt hatten. Ich konnte es nicht glauben, dass es nun gleich soweit sein sollte und wappnete mich mental für diesen letzten schwersten Kraftakt. Am 28.5.2020 um 20:05 erblickte unser kleines großes Wunder Elanur das Licht der Welt und machte uns zu den glücklichsten Menschen! Sie war so zart und klein, so wundervoll und wunderschön! Unser Herz quoll über vor Glück! Nach allen Strapazen der letzten Monate, allen Ängsten und Sorgen waren wir unendlich dankbar und erfüllt.

Der stolze Papa

Die ersten Stunden im Kreissaal gemeinsam mit ihr waren schön und intensiv. Leider hatte Elanur Schwierigkeiten ihren Blutzuckerwert im Normbereich zu halten und musste daher direkt auf die Neonatologie. Ich war traurig und wieder überkam mich dieses Gefühl der Hilflosigkeit und des Ausgeliefert-sein. Gleichzeitig wusste ich, dass hier der beste Ort war, um ihr zu helfen. Auch das würden wir schaffen – selbstverständlich!

Auf der Neonatologie gab es die Regelung, dass ich als Mutter jederzeit zu ihr konnte, der Vater 1mal pro Tag für eine Stunde zu ihr durfte und die Geschwister überhaupt nicht. Die Stationsschwestern waren wunderbar umsorgend und liebevoll sowohl zu unserer Tochter als auch zu uns. Sie stellten mir hin und wieder eine Liege bereit, sodass ich neben Elanurs Bettchen schlafen konnte, sie mit ihren Kabeln zu mir nehmen konnte und wir die Nähe genießen konnten, die wir beide so sehr brauchten.

Stolze Schwestern warten darauf endlich ihre Schwester begrüßen zu dürfen

Wir organisierten uns ansonsten so, dass ich in der Zeit, in der mein Mann zur Kleinen auf Station ging ein bisschen Quality time mit den Großen Mädels vor dem Krankenhaus verbrachte. Manchmal wenn Elanur schlief setzen wir uns auch für eine Weile gemeinsam zu viert an den Krankenhaus Eingang und aßen gemeinsam Pizza. Wir hatten es uns anders vorgestellt aber machten für uns das beste draus und genossen die gemeinsame Zeit, die wir hatten.

“Picknick” vor dem Krankenhaus Eingang Tag 1 nach Entbindung

5 Tage blieben wir dort auf Station, bis wir endlich gemeinsam den Weg nach Hause antreten durften.

Kleine Elanur, du bist unser Wunder, es ist so schön, dass du bei uns bist!

Habt ihr während der Corona Pandemie ein Kind zur Welt gebracht? Wie waren eure Erfahrungen? Schreibt mir gerne in die Kommentare.

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