Es ist wieder Mittwoch und somit Zeit für meine Interview-reihe Mama abroad! Ich hoffe, ihr habt genausoviel Spaß und Freude daran wie ich. Ich finde es immer wieder spannend, die vielen tollen Mamas kennen zulernen, die es wagen, so ein großes Abenteuer anzugehen. Heute durfte ich für euch die liebe Uta von Berlondon-Mama interviewen. Uta lebt seit 2013 in London, zuvor war sie mit ihrer Familie in Hongkong. Viel Spaß wünsche ich euch mit den Antworten einer wirklich erfahrenen Expat-Mama.

Montagmorgen, der Wecker klingelt, die Woche geht wieder los. Wie sieht/sah denn so ein typischer Expat-Mama-Montag-Morgen bei dir so aus?


Da ich montags arbeite, klingelt mein Wecker um 6:40 Uhr (das tut er leider auch an meinem freien Tag unter der Woche). Ich bin allerdings auch froh, wenn es tatsächlich der Wecker ist, der mich weckt und nicht die Kinder, die ihm zuvor kommen! Dann heißt es für mich „zack-zack“: Unter die Dusche, Kinder anziehen, Frühstücken, Zähneputzen, Haaremachen und dann düse ich um 8:20 Uhr aus dem Haus Richtung London City. Wir haben ein AuPair, aber weder dieses noch mein Mann sind für die Morgenroutine „eingeteilt“. An vielen Morgen gibt es Stress, weil die 5 Jährige meint, sich nicht alleine anziehen zu können oder die 2 Jährige ihren Kopf durchsetzen will und genau bestimmen möchte, was sie anzieht. Es vergehen oft „wertvolle“ Minuten und ich schaffe es leider nicht immer, gelassen zu bleiben. Wenn ich irgendwann aus ihnen rausgekitzelt habe, was sie frühstücken wollen und es vorbereitet habe, ist zur Zeit der Dauerbrenner, dass sie dann doch was anderes Frühstücken wollen. Da heißt es für mich sehr oft: Ruhe bewahren – nicht immer leicht, wenn die Uhr gegen einen tickt, weil mein Zug nur halbstündlich fährt und ich ihn nicht verpassen darf!

Stell dich doch bitte kurz vor.
Mein Name ist Uta, ich bin 34, gebürtige Berlinerin und noch so oft wie möglich dort. Ich bin verheiratet (mit einem Workaholic) und wir haben 2 Kinder. Ich habe nach der Geburt der Großen eine lange Elternpause eingelegt: Sie ist Ende 2010 in Deutschland geboren. Mitte 2011 sind wir für 2 Jahre nach Hong Kong gezogen. In der Zeit habe ich mich mit meiner Dissertation beschäftigt, aber war sonst zu Hause und habe ein nicht zu übertriebenes Expat-Leben als Hausfrau geführt. Ich habe diese Expat-Frauen – die morgens zum Sport rennen, danach zur Massage, Mittags Sushi-Essen, dann noch schnell eine Maniküre bevor Shoppen inklusive High-Tea auf dem Programm standen und abends noch ein wichtiges Dinner – eher belustigt beäugt: Ich bin zwar auch mal zum Sport gegangen, aber mit fast allen der anderen „Tagesaufgaben“ von dieser Art von Expat-Frauen kann man mich jagen!
Zur Geburt der Kleinen haben die damals 2,5 Jährige und ich im Mai 2013 die Zelte in Hong Kong abgebrochen und sind für 6 Monate zu meinen Eltern nach Berlin gezogen. Mein Mann hatte erst noch ein bißchen aus Hong Kong gearbeitet und war dann schon in London und kam uns ab und zu mal am Wochenende besuchen. Wenigstens hatte es geklappt, dass er zur Geburt der Kleinen da war, aber nach einer Woche musste er dann auch schon wieder nach London. Diese insgesamt 6 Monate in Berlin waren eine tolle Zeit, und ich habe die Unterstützung meiner Familie mit meinem Neugeborenen und der knapp 3-Jährigen sehr genossen! Im Herbst 2013 sind wir nach London gezogen, wo wir nun erst einmal die nächsten 5-10 Jahre sein werden (der Plan ist allerdings, irgendwann mal nach Berlin zu ziehen). Ich arbeite seit dem Frühjahr im Marketing eines Online-Arztes und bin dort hauptsächlich für den Content unserer Webseite verantwortlich. Seit ich arbeite haben wir ein AuPair, das bei uns wohnt. Die Große geht seit September in die Schule und ist somit lange aus dem Haus (8:45 – 15:15 Uhr). Die Kleine hat zeitgleich mit 2 ganzen Tagen Kindergarten angefangen. Beide sind ziemlich happy mit Schule und Kindergarten und auch mit dem AuPair klappt alles gut.

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Was hat dich dazu bewogen ins Ausland zu gehen?
Das ist leicht zu beantworten: Mein Mann arbeitet in einer internationalen Bank und da war es schon immer klar, dass wir auch einmal ins Ausland gehen werden. Dass es nach der 2-Jährigen – gemischten – Erfahrung in Hong Kong nun für eine längere Zeit London ist, finde ich gut, denn es ist so schön nah an der Heimat! Und natürlich finde ich es super, dass die Kinder zweisprachig aufwachsen.

Was bedeutet für dich Ankommen und wie lange hast du gebraucht um in deiner neuen Heimat anzukommen?
Das geht bei mir immer wahnsinnig schnell. Übers Internet – zum Beispiel Facebook oder „Deutsche in Hong Kong“/“Deutsche in London“ habe ich sehr schnell Kontakte mit Deutschen aufgebaut, was einem das Einleben doch sehr erleichtert. Schließlich haben die ja selbst schon mal die Erfahrung gemacht, sich in diesem Land zurechtfinden zu müssen und wer freundlich fragt, bekommt auch sehr hilfreiche Antworten. Ansonsten kann ich nur immer wieder betonen, dass es dem Nicht-Arbeitenden-Partner in der unmittelbaren Umgebung inklusive der Wohnung oder dem Haus gefallen muss – das ist meiner Meinung nach das A und O für ein zufriedenes Familienleben! Denn nur wenn die – in den meisten Fällen vermutlich Mama – sich im Alltag wohlfühlt, kann sich letztendlich die ganze Familie wohlfühlen, auch wenn es für den, der die Brötchen verdient, vielleicht einen etwas weiteren Weg zur Arbeit bedeutet.

Was schätzt du besonders an deiner neuen Heimat und worauf könntest du gut verzichten?
Ich mag das Multi-Kulti in London. Bei uns in der Wohngegend gibt es kaum echte Londoner. Stattdessen kommen die Familien von überall her und so wachsen die Kinder ganz ohne Berührungsängsten mit allen möglichen Haut- und Haarfarben, Dialekten und kulturellen Backgrounds auf.
Was mich noch immer etwas stört ist die Tatsache, dass es oft sehr oberflächlich ist und man komisch angeschaut wird, wenn man auch mal die (bittere?) Wahrheit raushaut. Das ist im Beruf genauso wie privat festzustellen. Das fällt mir als „brutal“ ehrlicher Mensch etwas schwer.
Was ich auch noch gewöhnungsbedürftig finde, ist das NHS, die britische Gesundheitsversorgung, auf welche die meisten Briten unheimlich stolz sind. Ja, es sind alle Untersuchungen und viele andere Dinge umsonst – sogar alle Verhütungsmittel. Ich mag mich aber einfach nicht daran gewöhnen, dass ich mit meinen Kindern zu einem Allgemeinarzt muss, der sich in den meisten Fällen einfach nicht so gut mit Kindern auskennt, wie ein Kinderarzt. Außerdem gehen sie natürlich auch nicht sehr routiniert mit Kindern um. Und wenn man zu einem Facharzt möchte, kann es ewig dauern, bis man einen Termin bekommt. Nicht zu Schweigen von den seltenen Krebsvorsorgeuntersuchungen oder U´s, wie man sie aus Deutschland kennt. Am Anfang gibt es mal einen oder 2 Health-Checks der Neugeborenen und dann noch einmal Development-Check mit 2 Jahren. Das war es so ziemlich.

Wie haben deine Kinder auf all die Umstellungen und neuen Eindrücke reagiert?
Zum Glück kannte die Große es ja schon aus Hong Kong, dass alle um uns herum Englisch reden. Allerdings hat sie wirklich ein paar Monate gebraucht, bis sie sich in ihrem neuen Kindergarten getraut hat, Englisch zu sprechen. Aber sie ist durch unsere bisherigen Umzüge und die immer wieder wechselnden Spielgruppen und Kindergärten schon ein alter Hase, was eingewöhnen angeht und findet super schnell neue Freunde. Natürlich hat sie anfangs etwas gejammert, weil sie nach 6 Monaten bei meinen Eltern und durch die Tatsache, dass sie fast jeden Tag ihre Cousins gesehen hat, die Familie in Berlin schon sehr vermisst hat. Aber da wir ja regelmäßig wiederkommen, ist das mit dem Heimweh nach Berlin für sie gut aushaltbar, denke ich.

Hast du durch das Auswandern und Leben an einem anderen Flecken dieser Erde etwas Spezielles gelernt?
Ich bin Meister darin, andere Deutsche aufzuspüren J Mein Englisch ist natürlich heute auch viel flüssiger als früher und ich bin allgemein glaube ich auch viel „weltoffener“. Wobei: Wenn ich zu Hause bin, treffe ich mich in der Regel mit meinen alten Schulfreundinnen immer noch an denselben Orten – überwiegend in Charlottenburg.

Welche 3 Tipps würdest du jemandem geben, der gerade kurz davor steht, sich in ein ähnliches Abenteuer zu stürzen?

  • Keine Kompromisse aus „Mama-Sicht“, was die Wohngegend und die Wohnung angeht
  • Am besten schon vorher über Facebook und co, aber auch über lokale Familien-Webseiten herausfinden, wie es mit Kindergärten, Schulen, Spielgruppen etc. aussieht
  • Sich darüber bewusst sein, dass man je nach Entfernung des Ziellandes nicht mal eben nach Hause fliegen kann und wenn eine ordentliche Zeitverschiebung dazu kommt, auch nicht zu jeder Tageszeit mit der Heimat telefonieren kann. Das fand ich an Hong Kong sehr störend, weil viele meiner Familie erst Abends erreichbar sind, und ich da – 6 Stunden weiter – ja meistens geschlafen habe.

Ich packe meinen Expat-Koffer und nehme mit… Welche 3 Sachen sind unabdingbar und müssen unbedingt von Anfang an mit ins Gepäck?

  1. Das Smartphone, um den Kontakt nach Hause zu halten
  2. Die Kuscheltiere/Schnuffeltücher der Kinder
  3. Optimismus und Abenteuerlust

Profilbild Uta

Uta, 34, London, 2 Kinder, Berlondon-Mama

Liebe Uta, lieben Dank für deine spannenden Antworten und den Einblick in dein Leben als Expat-Mama in London.
All diejenigen unter euch, die Lust haben noch einiges mehr über Uta und ihr London-Life zu erfahren, schaut doch mal auf ihrem Blog Berlondon-Mama vorbei.

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