Mama abroad - Interviewreihe

Tina aus Chattanooga

Ich freue mich euch heute – nach einer langen ‚Mama-abroad‘ Pause –  die wunderbare Tina von tinabusch.com vorstellen zu dürfen. Gemeinsam mit Tina und Jonna von Expatmamas – Im Ausland zu Hause betreuen wir die Facebook-Gruppe Expatmamas. Wer von euch auch Expatmama ist und Austausch sucht, ist in unserem Grüppchen immer herzlich willkommen 🙂
Nun aber zu Tina.  Tina lebt mit ihrer Familie seit mehr als vier Jahren in Chattanooga/ Tennessee. Viel Spaß mit Tinas Antworten.

Montagmorgen, der Wecker klingelt, die Woche geht wieder los. Wie sieht denn so ein typischer Expat-Mama-Montag-Morgen bei dir so aus?
Zuerst gibt’s eine Tasse Tee, Ostfriesen-Mischung, dann packe ich die Schul-Lunchbox für meine Tochter und den Kindergarten-Rucksack für meinen Sohn, decke den Frühstückstisch, und wecke die Kinder – gaaanz vorsichtig. Und dann läuft der Countdown: zack anziehen, zack frühstücken, zack Zähne putzen, zack Schuhe, Jacke, Rucksäcke und ab ins Auto. Zuerst zur Schule, dann zum Kindergarten, dann in den Wald. Hier treffe ich mich immer montags mit meiner Expat-Walking-Gruppe. Nachdem ich mich an der frischen Luft ausgepowert und ausgequatscht habe, setze ich mich mit einer Tasse Kaffee an meinen Schreibtisch und bastele an meinem Blog.

Stell dich doch bitte kurz vor.
Ich heiße Tina, bin 38 Jahre alt und lebe mit meinem Mann und meinen beiden Kids (meine Tochter ist 5, mein Sohn 3) seit mehr als 4 Jahren in Chattanooga, USA. Ich bin leidenschaftliche Tee- und Kaffeetrinkerin, verschlinge Bücher und Zeitschriften, habe immer eine endlose To-Do-Liste, riesengroße Wäscheberge und kenne keine Langeweile. Wenn ich nicht blogge, arbeite ich als freiberufliche Übersetzerin. Dazu mache ich mir eigentlich täglich Gedanken über meinen beruflichen Wiedereinstieg, wenn es für uns im Sommer 2016 zurück nach Deutschland geht. Ich bin promovierte Linguistin, die mit einer Lücke von 6 Jahren im Lebenslauf auf Jobsuche gehen wird und sehr gespannt ist auf die Reaktionen der Personaler.

TinaBusch_Family

Was hat dich dazu bewogen ins Ausland zu gehen?
Uns hat der Job meines Mannes hierher gebracht. Allerdings hatten wir schon vor der Entsendung überlegt, es irgendwann mal auf eigene Faust in den USA zu probieren. Wir sind schon immer viel gereist, haben mehrere längere Auslandsaufenthalte in unserem Erfahrungsschatz und wollten gerne im Ausland arbeiten und als Familie leben.

Was bedeutet für dich Ankommen und wie lange hast du gebraucht, um in deiner neuen Heimat anzukommen?

  • Bei Stau auf der Autobahn auf Umwegen nach Hause zu finden, ohne Navi.
  • Auf dem Wochenmarkt mit Namen angesprochen zu werden.
  • Auch wenn es traurig ist: den ein oder anderen Geburtstag von lieben Menschen in der Heimat zu vergessen, weil man nicht mehr ständig in Kontakt ist bzw. gedanklich in Deutschland weilt.
  • Auf Partys zu gehen, auf denen wir die einzigen (deutschen) Expats sind.
  • Wenn Dich neue Expats um Rat fragen und Du (fast) immer eine Antwort parat hast.

Bei mir hat es rückblickend circa 3 Jahre gedauert, um hier so richtig anzukommen. Allerdings habe ich in diesem Zeitraum meinen Sohn bekommen und ich glaube, dass insbesondere das erste Babyjahr den Prozess des Ankommens und „Sich Zuhause Fühlens“ verlängert hat.

Was schätzt du/ hast du besonders geschätzt an deiner neuen Heimat und worauf könntest du gut verzichten/ hättest du gut verzichten können?
Was ich schätze:

  • Das sonnige und warme Wetter.
  • Die unendlichen Möglichkeiten. Alle Türen stehen erst einmal offen.
  • Die Freundlichkeit der Südstaatler.
  • Dass man als Familie so eng zusammenrückt, dass meine Kinder nicht nur Geschwister, sondern auch beste Freunde sind. Dass Freunde Familienersatz sind. Dass wir keine familiären Verpflichtungen haben.
  • Dass im Expat-Leben nichts für immer ist.

TinaBusch_Chattanooga

Worauf ich verzichten könnte:

  • Jeder hat sie, kaum einer spricht drüber.
  • Immer und überall mit dem Auto hinfahren zu müssen.
  • Tornado Season
  • Dass schnelle Hilfe und Unterstützung von den Großeltern nicht möglich ist.
  • Die 6-Stunden-Zeitverschiebung nach Deutschland. Sie macht das in Kontakt bleiben fast unmöglich, insbesondere mit Freunden, die auch kleine Kinder haben. Daher kommt es auch zu den oben genannten vergessenen Geburtstagen.
  • Dass im Expat-Leben nichts für immer ist.

Wie hat dein Kind/ haben deine Kinder auf all die Umstellungen und neuen Eindrücke reagiert?
Das war bislang bei uns noch kein Thema: meine Tochter war 18 Monate alt, als wir nach Chattanooga gezogen sind; mein Sohn ist erst hier geboren. Interessant wird es für uns, wenn wir im Sommer nach Deutschland zurückkehren. Jonna von expatmamas hat das in ihrem Interview schon sehr treffend ausgedrückt: auch für meine Kinder beginnt die Auslandszeit erst in Deutschland.

Hast du durch das Auswandern und Leben an einem anderen Flecken dieser Erde etwas Spezielles gelernt?
Mein Englisch war schon immer ganz gut. Ich habe Englisch studiert und später auch Kurse an der Uni auf Englisch unterrichtet. Diese Leichtigkeit, mit der ich jetzt aber zwischen beiden Sprachen hin und her wechseln kann, habe ich erst hier im Alltag erworben. Ich hoffe sehr, dass ich diese Fähigkeit noch lange aufrecht erhalten kann.

Welche 3 Tips würdest du jemandem geben, der gerade kurz davor steht, sich in ein ähnliches Abenteuer zu stürzen?

  1. Offen sein, neue Dinge ausprobieren, Andersartigkeiten erst einmal annehmen und nicht gleich bewerten.
  2. Sich über den neuen Wohnort informieren (Reiseführer, Webseiten, Blogs, Facebook-Gruppen, Hashtags) und frühzeitig (d.h. noch in Deutschland) Kontakt zu anderen Expats aufnehmen, die am gleichen Standort leben, und sich Tipps, Ratschläge und Erfahrungsberichte einholen. Was man damit macht und ob man sich mit den anderen Expats auch nach dem Umzug noch regelmäßig trifft, kann man ja später immer noch entscheiden.
  3. Nicht bei der erstbesten Gelegenheit die Flucht ergreifen und in Deutschland Urlaub machen. Der neuen Heimat eine Chance geben, auch mal Unwohlsein für einige Zeit aushalten und sich hinterher auf die Schulter klopfen, dass man es geschafft hat. Nur so wird die Expat-Zeit positiv, erfolgreich und eine schöne Erinnerung.

Ich packe meinen Expat-Koffer und nehme mit… Welche 3 Sachen sind unabdingbar und müssen unbedingt von Anfang an mit ins Gepäck?

  1. Mein Handy, damit ich alle Eindrücke mit der Kamera festhalten und auf meinem Blog von meinen Erlebnissen berichten kann.
  2. Deutsches Deo und Linola Fett Creme
  3. Eine Mischung Ostfriesen-Tee

TinaBusch

Tina, Chattanooga (USA), 2 Kinder, tinabusch.com

Liebe Tina, ich danke dir herzlich für deine tollen Antworten und die Zeit, die du dir für unser Interview genommen hast. Für eure Rückkehr nach Deutschland wünsche ich euch von Herzen alles Gute.

Habt ihr Lust noch mehr tolle Expatmamas kennenzulernen? Bald gibt es wieder ein Interview hier bei Mamalogik & more.

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P.s. Seid ihr auch im Ausland zu Hause? Habt ihr es auch gewagt mit Kind und Kegel den großen Schritt zu wagen? Wollt hier bei Mamalogik davon erzählen? Schreibt mir an johanna@mamalogik.com. Ich freue mich auf euch!

 

 

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