Mama abroad - Interviewreihe

Sarah aus Istanbul

Einmal mehr durfte ich eine wunderbare Mama interviewen, die mit ihren Liebsten Deutschland verlassen hat, um an einem anderen Flecken dieser Welt sich den Herausforderungen des Mama-Daseins zu stellen. Sarah von Mamas Lifestyle lebt seit 1,5 Jahren in Istanbul (Türkei). Da für Istanbul auch mein Herz schlägt und die Stadt für mich eine ganz besondere ist, freue ich mich umso mehr, Sarah mit an Bord zu haben. Nun viel Spaß mit ihren Antworten.

Liebe Sarah, Montagmorgen, der Wecker klingelt, die Woche geht wieder los. Wie sieht denn so ein typischer Expat-Mama-Montag-Morgen bei dir aus?


Relativ unspektakulär. Ich bereite das Frühstück vor, wecke meine beiden Kinder (das ist die größte Herausforderung, ich bin leider mit Morgenmuffeln gesegnet) und mache sie für Schule und Kindergarten fertig. Beide werden von privaten Schulbussen abgeholt, was mir im Vergleich zum “deutschen” Morgen durchaus Luft verschafft. Dem Busfahrer ist es herzlich egal, ob ich um 8 Uhr noch strubbelig in der Jogginghose durch die Gegend stolpere :-). Wenn die Kinder aus dem Haus sind, mache ich mich auf den Weg ins Badezimmer. Hinterher folgt montags meist ein Durcheinander von Hausarbeit (Spuren des Wochenendes beseitigen), Türkischkurs und Arbeit (Homeoffice).

Stell dich doch bitte kurz selbst vor.
Ich heiße Sarah, bin verheiratet und habe zwei Töchter (4 und 10 Jahre alt). Mein Mann und ich sind beide gebürtig deutsch, seit Mai 2014 leben wir in Istanbul. Mein Mann ist bei einer türkischen Firma angestellt, ich arbeite freiberuflich als Texterin für deutsche Kunden und blogge in meiner Freizeit.

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Was hat dich dazu bewogen ins Ausland zu gehen?
Der Klassiker: Ein lukratives Jobangebot für meinen Mann zu einem günstigen Zeitpunkt.

Was bedeutet für dich Ankommen und wie lange hast du gebraucht um in deiner neuen Heimat anzukommen?
Ich habe durch den Kontakt mit anderen “Expat-Mamas” festgestellt, dass ich wohl ungewöhnlich schnell angekommen bin. Bereits wenige Wochen nach unserem Umzug meinte ich  Istanbul, wenn ich von “zu Hause” sprach. Ich kenne viele Expats, bei denen das nach Jahren noch nicht der Fall ist. Woran das liegt, ist schwer zu sagen. Ein Grund ist sicher, dass ich mich lange und intensiv mental wie organisatorisch auf den Umzug vorbereitet habe, so dass unser neues Zuhause relativ schnell meinen Vorstellungen entsprach. Außerdem pflegen die Türken eine sehr gastfreundliche Kultur, dass macht es einem leichter, sich willkommen zu fühlen. Und: Zuhause ist für mich, wo meine Familie ist.

Was schätzt du besonders an deiner neuen Heimat und worauf könntest du gut verzichten?
Die Herzlichkeit, die Gastfreundschaft, das Wetter, das Meer, das leckere Essen, … zu schätzen weiß ich unglaublich viel. Gut verzichten könnte ich auf den Verkehr (man weiss nie, ob man sich für 15 Minuten oder 1,5 Stunden ins Auto setzt) und die politischen Spannungen, die uns momentan sehr zu schaffen machen.

Wie haben deine Kinder auf all die Umstellungen und neuen Eindrücke reagiert?
Die Große durchweg positiv. Neue Freunde in Nachbarschaft und der internationalen Schule waren schnell gefunden. Ihr Alltag, der zum Großteil durch Schule und Hobbies definiert wird, bereitet ihr mehr Freude, als in Deutschland.
Der Zwerg war zum Zeitpunkt des Umzuges gerade erst 2 Jahre alt. Die komplette Bandbreite ihrer Gefühle konnte sie also noch nicht artikulieren. Allerdings war sie die ersten Monate sehr launisch, brauchte viel Ruhe und begann, ihre Sprache (die vorher ungewöhnlich gut war) stark zu vereinfachen. Ich hatte den Eindruck, dass sie die neue Situation vor allem im Kindergarten mit einer fremden Sprache, teilweise überforderte. Das besserte sich wieder, nachdem sie begann, Türkisch zu verstehen und zu sprechen.

Hast du durch das Auswandern und Leben an einem anderen Flecken dieser Erde etwas Spezielles gelernt?
Wie es ist, Ausländer zu sein und wie hilflos man sich als erwachsener Mensch fühlen kann, wenn man keine Möglichkeit zur Kommunikation hat. Die einfachsten Dinge werden auf einmal zur größten Herausforderung. Anfangs konnte es schon mal zur tagesfüllenden Aufgabe werden, Geschenkpapier oder Batterien zu besorgen. Außerdem habe ich gelernt, dass meine Vorstellungen von “richtig und falsch” nicht das Maß aller Dinge sind. Manches wird hier einfach völlig anders praktiziert, als ich es gewohnt war. Und es klappt trotzdem :-).

Welche 3 Tipps würdest du jemandem geben, der gerade kurz davor steht, sich in ein ähnliches Abenteuer zu stürzen?

  1. Vorbereitungen treffen. Schon vor dem Umzug ein Netzwerk (durch Facebook-Gruppen oder Ähnliches) zu anderen Expats spinnen. Durch ihr Wissen kann man sich teilweise unangenehme Erfahrungen ersparen und einen sehr authentischen Eindruck von dem Leben vor Ort gewinnen.
  2. Die Erwartungen an sich selbst herunterschrauben. Es braucht einfach einiges an Zeit, um sich in einer fremden Kultur und Sprache zurechtzufinden. Also nicht enttäuscht sein, wenn nicht gleich auf Anhieb alles so klappt, wie man es sich ausgemalt hat.
  3. Beobachten! Im neuen Umfeld das Verhalten und die Gewohnheiten der Einheimischen und Expats aufmerksam studieren und sich ihnen anpassen. Wenn in der Öffentlichkeit nicht geknutscht wird, sollte man dies selbst auch tunlichst vermeiden. Man ist ja nicht als Tourist da, sondern möchte eine Weile bleiben. Da sollte man sich von Anfang an mit allen gut stellen und nicht negativ durch unübliches Benehmen auffallen. Den Gemüsehändler und Frisör wählen, zu dem auch die Nachbarinnen gehen ;-).

Ich packe meinen Expat-Koffer und nehme mit… Welche 3 Sachen sind unabdingbar und müssen unbedingt schon mit ins Gepäck?
Mein Handy um immer einen “Joker” parat zu haben, wenn dringende Übersetzungshilfe notwendig ist und außerdem Kontakt zu Familie und Freunden in der alten Heimat zu halten.
Fotos und Erinnerungsstücke von besonderer Bedeutung, damit man sich in der neuen Wohnung schnell heimisch fühlt. Alles andere ist austauschbar.
Ein paar Leckereien, die wir in Istanbul nicht kaufen können. Im Koffer landen regelmäßig Fressalien wie Schinkenwurst, Marzipan, Maultaschen oder Joghurt-Gummibärchen.

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Sarah, Istanbul (Türkei), 2 Kinder, Mamas Lifestyle

Liebe Sarah, vielen lieben Dank für deine tollen Antworten. Ich wünsche dir und deiner Familie noch eine tolle Zeit in Istanbul.

Unterschrift

P.s.: Seid ihr auch im Ausland zu Hause? Habt ihr es auch gewagt mit Kind und Kegel den großen Schritt zu wagen? Wollt hier bei Mamalogik davon erzählen? Schreibt mir an johanna@mamalogik.com. Ich freue mich auf euch!

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