#Grenzerfahrung – Experience the DMZ

Um die Fakten einmal auf den Tisch zu legen: Wir leben hier in einem zweigeteilten Land. Korea wurde nach dem zweiten Weltkrieg in eine Süd- und eine Nordhälfte geteilt. Seit nunmehr 70 Jahren ist dieses Land zerrissen in zwei Hälften.
Deutschland kennt dieses Schicksal, auch Deutschland war ein in West und Ost geteiltes Land – wenn auch “nur” für 40 Jahre. Ich komme ursprünglich aus Kassel, meine Großeltern leben dort und als Kinder waren wir oft wandern mit ihnen. Ich kann mich daran erinnern, dass das Thema Grenze, wahrscheinlich aufgrund der Nähe zu Thüringen nicht ganz un-präsent war. Schattenhaft erinnere ich mich an einen Ausflug mit meinen Großeltern zu einem sogenannten Grenzmuseum. Diesen Ausflug konnte ich nicht vergessen.

 Ich weiß nicht, wie alt ich war und ich weiß auch nicht ob mir meine Fantasie und Erinnerung vielleicht einen Streich spielt, aber ich meine mich zu erinnern, wir wären auch den sogenannten “Todesstreifen” (oder zumindest in der Nähe dieses) entlang gelaufen, haben uns einen Grenzturm angesehen und natürlich in diesem Museum selbst Bilder und Reliquien aus dieser Zeit, die damals noch nicht all zu lange her gewesen sein kann. Ein anderer Ausflug muss ziemlich kurz nach der Öffnung der Grenze gewesen sein – wir fuhren mit meinen Eltern zu einem Geburtstag und ich erinnere mich nur daran, dass ich es dort, wo wir hinfuhren sehr, sehr grau, alt und ungemütlich fand. Ich war damals vielleicht 6, 7 oder 8 Jahre alt. Das ich etwas davon verstanden haben könnte, dass ich gerade im ehemaligen Ostteil des Landes unterwegs bin, glaube ich nicht. Es muss also tatsächlich irgendwie offensichtlich anders gewesen sein oder ausgesehen haben.

Warum hole ich soweit aus? Da Seoul gerade einmal circa 50 Kilometer von der Grenze zu Nordkorea entfernt ist, haben wir uns auf den Weg gemacht, um die Teilung des Landes tatsächlich einmal sehen zu können. Das zu sehen, hat mich sehr bewegt.wpid-dsc09678.jpg (Gaesong: Nordkorea/ Seoul: Südkorea)

Es gibt entlang der Demarkationslinie (DMZ) einige sogenannte Obervatorien, die eigens dazu ausgelegt sind, von Süd- nach Nordkorea schauen zu können. Einen dieser Aussichtspunkte wollten wir uns also einmal genauer ansehen. Man fährt aus Seoul mit dem Auto raus und bemerkt relativ schnell, nachdem man die Hochhäuser hinter sich gelassen hat, dass sich den Fluss entlang ein Stacheldrahtzaun windet und Aufsichtstürme aufgestellt sind. Bisher war mir das nicht wirklich aufgefallen, doch nun wurde mir klar, hier beginnt bereits die Teilung. wpid-dsc09659.jpg

 

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Angekommen im Imjingak, fanden wir ein vollausgestattet Grenzmuseum vor. Das hatte ich überhaupt nicht erwartet. Man steht vor Stacheldraht, kann mit Ferngläsern vom Dach eines Gebäudes auf Nordkorea schauen, einen Bunker besichtigen und zwischendrin in schicken Cafés einen Kaffe schlürfen. Das war irgendwie grotesk, aber was hatte ich erwartet? Natürlich ist es ein Touristen-Spot und somit auch entsprechend aufbereitet. wpid-dsc09680.jpg

Während der Besichtigung und vor allem dann, wenn ich tatsächlich versuchte da auf die andere Seite zu schauen, überlegte ich mir, wie das wohl sein muss, wenn man “da drüben” lebt, auf der “anderen Seite”, was man eigentlich weiß von “unserer Seite” und was nicht, was für Wünsche, Träume, Hoffnungen die Menschen dort haben, ob sie überhaupt etwas vermissen und wenn ja, was?

wpid-dsc09677.jpg Vielleicht sind sie ja auch vollkommen zufrieden, weil sie so groß geworden sind und anderes nicht kennen oder nicht gewohnt sind. Das muss man sich mal überlegen, 70 Jahre geteiltes Land, das ist fast ein durchschnittliches Menschenleben. Die Menschen, die die Teilung miterlebt haben sind mittlerweile sehr alt, die jungen Generationen kennen ihre Verwandtschaft aus Südkorea defacto überhaupt gar nicht mehr.wpid-dsc09663.jpg (Gleise, die ins Nirgendwo führen)

Ich habe aus Erzählungen gehört es gäbe riesige Straßen, aber diese Straßen sind einfach leer, denn es gibt kaum Autos. Das ist unvorstellbar für uns, nicht wahr? Smartphones bzw. Handys gibt es für den Durchschnittsbürger schon mal gar nicht, circa 95% der Bevölkerung seien nicht im Besitz eines solchen. Wenn doch, dann hat man lediglich Zugriff auf staatliches Intranet.

Ich kann es mir nicht vorstellen. Ich würde gerne während unseres Korea-Aufenthaltes einmal nach Nordkorea reisen. Das ist allerdings nicht einfach. Wenn man denn ein Visum bekommt, muss man wohl den Umweg über China gehen und von dort aus einreisen. Darüber hinaus, darf man sich keinen Moment alleine dort bewegen. Ausschließlich geführte Reisen sind gestattet. Das scheint mir mit zwei Kleinkindern allerdings etwas schwierig zu organisieren. Mal sehen, ob wir das irgendwie hinbekommen. wpid-dsc09682.jpgwpid-dsc09721.jpg (Der Blick auf die “andere Seite”, nach Nordkorea)

Auf dem Rückweg nach Seoul wurde mir nochmal mehr die Nähe zur Grenze bewusst und das wir uns in einem Land aufhalten, dass nicht in Frieden, sondern im Zustand “Waffenstillstand” verharrt. Im alltäglichen Leben merken wir davon gar nichts, außer es findet gerade ein Probealarm statt. Dann heulen in Seoul die Sirenen ohrenbetäubend laut, die Menschen auf der Straße scheint das aber nicht weiter zu interessieren oder gar zu irritieren. Es ist eben Alltag und es gehört zu ihrem Leben einfach mit dazu.

P.s.: Könnt ihr euch noch an Geschichten von Früher erinnern, als es in Deutschland noch die Grenze zwischen Ost und West gab? Oder habt ihr von euren Eltern/ Großeltern Geschichten darüber gehört? Ich freue mich, wenn ihr mir etwas dazu in die Kommentare schreibt.

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