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Fläschchen geben ist Liebe – genauso wie Stillen

Mit diesem Thema bewege ich mich auf schwierigem Terrain. Deshalb war ich mir nicht sicher, ob ich überhaupt ein Statement dazu abgeben, oder meine Gedanken und Erfahrungen einfach für mich behalten soll. Doch ist es auch ein Thema, das so viele Mütter in den ersten Wochen nach der Entbindung beschäftigt, Fragen kommen auf, Emotionen kochen hoch, Verzweiflung ist oft mit im Spiel und ganz viel Unsicherheit – also möchte ich euch erzählen wie es bei uns lief. Es ist ein Erfahrungsbericht – nicht mehr und nicht weniger!

Stillen – bei uns ein schwieriges Thema

So richtig gestillt habe ich nie. Ich habe es mir bei allen drei Kindern gewünscht, doch es hat nicht so funktioniert. Ela kam zur Welt und recht schnell war klar, dass sie auf die Intensivstation verlegt werden müsse, da ihr Zuckerwert gefährlich niedrig war und nicht im Normbereich lag. So wurden wir voneinander getrennt, was eine enorme emotionale Belastung war. Natürlich versuchte ich so viel Zeit wie nur irgend möglich bei ihr zu sein, sie anzulegen, mit ihr zu kuscheln, gleichzeitig pumpte ich ab und versuchte diese Milchmenge zu steigern. Ela bekam allerdings von Anfang an ihre Glukose Menge und die Schwestern begannen recht schnell mit dem Zufüttern. Natürlich wünschte ich mir nichts sehnlicher als das mein kleines Mädchen schnell gesund wird und zu Kräften kommt. Also vertraute ich auf den Rat der Krankenschwestern und lies ich es zu. Ich fragte mich schon da, ob das nun wieder bedeuten würde, dass wir keine gescheite Stillbeziehung aufbauen werden können.

Es war eine Tortur für alle

Als wir nach Hause kamen bekam ich auf Rezept eine Milchpumpe von der Apotheke gestellt. Die Tortur nahm ihren Lauf, das Kind schrie und war unzufrieden, hungrig, das Stillen wollte ihr nicht reichen, die abgepumpte Milch erst recht nicht. Gefühlt stillte ich sie den ganzen Tag und trotzdem war sie nicht satt zu bekommen. Ich schaute mir etliche Videos auf Youtube an, las Erfahrungsberichte, trank literweise Stilltee, kaufte teure milchbildende Bockshornkleekapseln und und und… Das Theme stillen dominierte meine Gedanken, meine Gefühle und meinen ganzen Alltag! Gleichzeitig lief hier aber natürlich der normale Alltag weiter mit Homeschooling, die Geschwister hatten natürlich auch Bedürfnisse und wollten gesehen und gehört werden. Ihr gutes Recht! Ich gab auf, ich wollte das Schreien nicht mehr, das Weinen war weder für sie noch für uns weiter zumutbar. Und meine Gedanken sollten sich auch mal wieder um anderes kreisen dürfen als um das Thema Stillen.

Stillen ist das Beste für dein Kind.” – heißt es und ja das mag sein, doch war es das in unserem Fall in dem Moment einfach nicht mehr – entschied ich!

Ich fasste final den Entschluss, dass ich uns nicht mehr weiter mit dem Thema quäle und auf das Fläschchen umsteigen werde. Es tat mir weh und es fühlte sich an als sei ich unfähig, unfähig zu etwas, das doch eigentlich jede Frau hinbekommen müsste. Warum schaffe ich das nicht, fragte ich mich. Eine Antwort auf die Frage habe ich nicht.

Und plötzlich wurde alles OK

Und dann fing es plötzlich an OK zu werden. Ela wurde ruhig und zufrieden, sie genoss ihre Flasche und wir genossen das entspannte Fläschchen geben. Die Situation entspannte sich allgemein. Ein Rhythmus stellte sich ein, und das Füttern unseres kleinen Mädchens konnte von allen Familienmitgliedern übernommen werden. Auch die Großen konnten mit helfen und die Nähe zu ihrer kleinen Schwester genießen. Es fühlte sich so friedlich an, ohne Druck.

Ich komme nicht umhin zu sagen, dass ich es nach wie vor bedauere nie ein so positives und intensives Stillerlebnis gehabt zu haben wie ich es auf so vielen Instagram Accounts sehe. Und es ist ok dieses Gefühl zu haben. Gleichzeitig bin ich froh darüber wie es ist. Wir konnten ohne großartige Anstrengung eine Routine etablieren, die perfekt in unseren Familienleben passt. Zu unserer Fläschchen-Routine werde ich in den nächsten Tagen einen separaten Artikel schreiben.

Solltet ihr gerade an dem Punkt sein, wo ihr nicht mehr weiter wisst, das Stillen einfach nicht klappen will und ihr das Fläschchen geben als einzigen Weg seht, der für euch funktioniert, dann seid nicht sauer auf euch! Ihr tut das Beste für euer Baby, ihr seid die beste Mama für euer Baby, ganz gleich wie ihr euer Kind füttert, ob mit Muttermilch oder mit Fläschchen Nahrung. Auch beim Fläschchen geben kann man kuscheln, ganz nah beieinander sein, sich in die Augen sehen und den Moment genießen. Ihr macht das wunderbar auf eure ganz eigene Art und Weise! Schreibt mir gerne, wenn ihr etwas loswerden möchtet zu dem Thema, wenn ihr ratlos seid, ich höre euch gerne zu!

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