Familie Gedanken

Vom schlafen gehen, sogenannten Phasen und einem Plädoyer

Für Coco!

“Gute Nacht mein Schatz, schlaf gut!”
“Gute Nacht Mama!” Ein Küsschen, eine Umarmung, ein festes drücken, ich drehe mich um, lehne die Tür an, sodass noch ein kleiner Lichtspalt offen bleibt und setze mich entspannt auf die Couch –  geschafft!
So, oder so ähnlich läuft es bei uns …

… NIE!

Phase 1
Wir haben alles durch, was man in Sachen “schlafen lernen”, “alleine schlafen” nur durch haben kann. Ganz am Anfang als die Große noch ein minikleines Baby war und Tag für Tag und Nacht für Nacht mit sich selbst um die Wette schrie und weinte und ich daran so manches mal schier zu verzweifeln drohte, schlief sie tatsächlich ausnahmslos nur auf meinem oder ihres Babas Arm ein. Die kleinste Berührung mit einer Matratze oder sonstigen Unterlagen ließ sie aus noch so tiefem Schlaf sofort aufwachen. Aufrecht wollte sie getragen werden und dabei sollte man monoton im gleichen Takt auf ihren Windelpopo trommeln. Im Kinderwagen liegen, im Kinderwagen schlafen – Fehlanzeige.

Phase 2
Diese Phase ging vorbei. Sie schlief im liegen ein, neben mir oder neben ihrem Baba. Aber nie alleine. Sie wollte kuscheln, Händchen halten, ihren Kopf in unseren Armbeugen vergraben und sich sicher und geborgen wissen. Also taten wir auch das. Jeder Versuch das Zimmer heimlich zu verlassen scheiterte kläglich. Als sie es irgendwann schaffte trotz Gitterbett bei uns im Wohnzimmer zu stehen, obwohl wir dachten sie schlafe und natürlich davon ausgingen, dass sie uns maximal rufen, nicht aber über die Gitterstäbe klettern und vor uns stehen würde, war es auch mit dem heimlich das Zimmer verlassen vorbei. So unendlich wie dieser Satz, erschien uns auch diese Phase.
Diese Phase ging nämlich erstmal nicht vorbei.

Sie brauchte einfach jemanden zum einschlafen. War es in Deutschland noch mehr ihr Baba, der abends mit ihr schlafen sollte und den sie sich Nachts zu sich in Kinderzimmer wünschte, ging es in Seoul mehr in meinen Aufgabenbereich über. Das mag einfach daran liegen, dass mein Mann hier länger arbeitet und die Kinder ihn manchmal gar nicht mehr zu Gesicht bekommen abends. Ich gönnte ihr den Wunsch nach Nähe am Abend in der ersten Zeit hier in Seoul. Ich dachte mir, es sind einfach viele Veränderungen für so ein kleines Menschlein. Alles ist neu und ungewohnt, da benötigt sie diese Nähenoch mehr. Also schlief ich mit ihr ein – in ihrem Bett oder in unserem Bett, das wechselte immer mal so hin und her. Ich war bei weitem niemals so gelassen, wie das hier vielleicht klingen mag. Es hat mich oftmals stark genervt und ich war innerlich wütend, dass es einfach nicht funktionieren wollte bei uns mit dem einschlafen.  Ich meckerte sie auch an, wenn ich merkte, das sie sich mit allerlei Blödsinn lediglich wach zu halten versuchte.
Und irgendwann ging diese Phase vorbei…

Phase 3
… als ich mir ein Belohnungssystem ausdachte. Hoch motiviert malte ich einen Kalender mit bunten Zahlen und kreiste jede 7. Ziffer ein (Bild siehe oben: Achtung ich kann nicht malen und basteln!) Sie durfte nun Smilies kleben, auf die Ziffern, jedes mal, wenn sie abends alleine eingeschlafen war (auch wenn sie dann in der Nacht zu uns geschlichen kam). Ein Smilie auf einer eingekreisten Ziffer bedeutete: Heute gibt es eine kleine Überraschung. Ich erklärte es ihr. Sie war hochmotiviert – am mittag. Abends sah das dann wieder ganz anders aus. Tränen und Erklärungsversuche und schlussendlich eine tapfere Maus, die alleine ins Bett ging und einschlief.

Was dann geschah
Und Mama fühlte sich plötzlich einsam und um ihre Regenerationsphase gebracht. Da wurde mir bewusst, wie viel mir dieses all-abendliche kuscheln und gezwungenermaßen entspannen eigentlich gebracht hatte. Ich vermisste es plötzlich, diese Zeit abends mit ihr und irgendwie auch einfach für mich zum entschleunigen. Zwar konnte ich nun die über den Tag liegen gebliebenen Dinge früher erledigen, konnte mich früher an den PC setzen, aber ich war dabei sehr müde und erschöpfter, als wenn ich die großen Maus zuvor (in Ruhe) zum schlafen gebracht hatte.

(M)ein Plädoyer für bewusstes gemeinsames einschlafen
Diese Phase hielt natürlich auch nicht bis heute an, doch hat sich etwas in meiner Bewertung des Umstandes, dass sie nicht (immer) alleine einschlafen kann/ möchte getan. Das alleine-einschlafen wird glaube ich oftmals als Marker für einen bestimmten Entwicklungs- und Erziehungsfortschritt gesehen. Je früher mein Kind alleine einschläft, umso besser habe ich die Situation, das Kind “im Griff”, umso “besser erzogen” ist mein Kind, umso “reifer”, “größer” ist mein Kind und schlussendlich: umso mehr eigene Zeit habe ich für mich. Ja, das mag stimmen, doch die Frage nach der Qualität dieser Zeit ist ja eine ganz andere. Ehrlich gesagt genieße ich es heute, wenn ich die Große zu Bett bringe, sie sich gemütlich zu mir kuschelt, ich spüren kann, wie sie sich aufgehoben und geborgen fühlt, sie langsam ruhig wird und im Wissen, dass ihre Mama bei ihr ist, einschläft. Diese Zeit wird so nie wieder kommen, irgendwann wird es das letzte mal sein, dass sie möchte, dass ich neben ihr einschlafe, dass ich ihre Hand nehme oder ihr über den Kopf streichele. Irgendwann wird sie das vielleicht doof finden und möchte die Große sein, die das alles ganz alleine kann. Deswegen möchte ich es nun genießen und mich nicht mehr darüber ärgern oder irgendetwas daran bemessen.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Wie nehmt ihr es wahr, wenn euer Kind wünscht, gemeinsam mit euch einzuschlafen?

P.s.: Ich habe auch noch eine kleine Tochter, wie ihr alle wahrscheinlich wisst, die von Anfang an ein völlig anderes Schlafverhalten zeigte. Sie legt nahezu keinen Wert darauf, dass man mit ihr einschläft. Das bedeutet natürlich, dass ich mich entspannt der Großen widmen kann. Mir ist durchaus bewusst, dass das nicht bei allen Familien so entspannt zugehen kann, wenn man mehr als ein Kind hat. Aber Doch ich denke, dass die innere Haltung zu dem Thema ausschlaggebend sein kann, für den Verlauf eines zu-Bett-Geh-Prozederes.

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