Corona Pandemie in ... Eure Erfahrungsberichte Leben im Ausland

Corona in New York – Änne erzählt…

Ich freue mich über meinen nächsten Artikel aus der Reihe “Corona in… – Eure Erfahrungsberichte”.

Ich frage ich mich, wie die Pandemie wohl Menschen, die zur Zeit als Expats in anderen Ländern leben herausfordert. Welche Maßnahmen schränken im jeweiligen Land den Alltag und das Leben ein? Wie geht man damit um – emotional und organisatorisch?

Dieses mal erzählt die liebe Änne von ihren Erlebnissen in New York. Änne kenne ich aus unserer Zeit in Seoul/ Korea. Als wir zurück nach Deutschland gingen, zog sie mit ihrer Familie in die USA. Ich bin gespannt, wie sie die schwere Zeit letztes Jahr dort gemeistet hat. Liebe Änne, erzähl doch mal, wie erlebst du …

Corona in New York…

Hallo, ich bin Änne, gerade frisch 40 geworden und mit meiner Familie lebe ich seit dem Sommer 2018 im “Speckgürtel” von NYC. Wie kam es dazu; Mein Mann ist für das Auswärtige Amt tätig und somit ziehen wir alle 4 bis 5 Jahre in ein anderes Land. In einem Rotationsverfahren bewirbt man sich auf einzelnen Stellen an den Vertretungen und dann entscheidet letztendlich der Arbeitgeber, wo es für uns hingeht. So kam auch 2018 der Sprung von Seoul nach New York. Wir leben nun außerhalb von NYC, da sich hier die Deutsche Schule befindet, die unsere Mädels besuchen. Der Mann fährt täglich ca. 1 1/2 h nach Manhattan in das Konsulat.

Änne und ihr Familie vor der New Yorker Skyline

Wir hatten uns hier gerade etwas eingelebt und dann rollte die Coronawelle über NY herein. Wenige Tage vorher war noch meine Mutter aus Deutschland zu Besuch. Ich bin so froh darüber, dass wir gemeinsam mit ihr noch die Gelegenheit hatten ein paar tolle Ausflüge zu machen. 

Der Start der Pandemie liegt nun gefühlt schon 10 Jahre zurück, so überschlugen sich im Frühjahr 2020 die Ereignisse. Tatsächlich entdeckte man am selben Tag wie in Korea den ersten Fall hier in NY,  Korea reagierte wesentlich schneller mit einem Lockdown und weiträumigen Tests. Hier in NY passierte einfach lange gar nichts. Bei einer letzten Tour Anfang März durch Brooklyn, diskutierten die Mütter schon wild miteinander, was nun kommen könnte.

Der Lockdown

Eine Woche später am 12. März hatten die Kinder dann ihren letzten “richtigen” Schultag, unsere Schule schloss am Freitag den 13. März, einen Tag früher als alle anderen Schulen in unserem County. Der State NY hatte die Schulschließungen so lange hinausgezögert, da die Versorgung der Schüler nicht sichergestellt war. Auch wenn man es nicht glauben mag, viele Kinder hier erhalten ihre einzige Mahlzeit am Tag in den öffentlichen Schulen. Innerhalb der ersten 2 Wochen wurden alleine in unserer City zehntausende Lebensmittel Care Pakete verteilt.

Am Anfang der Pandemie lief auch hier alles ziemlich chaotisch. Einige Familien entschieden, dass sie sofort nach Deutschland zurückgehen würden.

Auch wir erhielten den Möglichkeit sofort das Land zu verlassen, ein außerordentlicher Sonderfall, den es selbst im Auswärtigen Amt noch nie zuvor gab. Das war für mich persönlich, die stressigste und vor allem beängstigendste Zeit.

Man war absolut überfordert mit den täglichen News. Wir sprachen jeden Tag intensiv über das pro und contra einer Ausreise, der Zustand in Deutschland war ja ähnlich. Da die Versorgung hier in NY kein Problem war, entschieden wir uns hier zu bleiben. Die Kinder erhielten von Tag eins an Online Unterricht, die Lehrer hatten die Woche vor dem “Lockdown” intensiv dafür genutzt, die Kinder einigermaßen vorzubereiten. Unser Glück war natürlich, dass die Kinder die höheren Klassen besuchten und zum größten Teil selbstständig arbeiten konnten. Familien mit kleineren Kindern stürzten auch hier erstmal in ein neuen Leben. Generell ist es hier üblich, dass auch schon 3 Monate junge Babys betreut werden, da die Mütter wieder arbeiten mussten. Teilweise sind die größeren Kids bis in die späten Abendstunden mit Hobbies und Betreuung versorgt. Eine völlige neue Welt für viele Familien. 

Um uns herum brach dann ein wenig die Pandemie herein. Masken wurden von Müttern der Schule genäht, wir standen für Lebensmittel an, da nur eine bestimmte Anzahl an Menschen in die Supermärkte durfte. Unser NY Governor Cuomo berichtete in täglichen Pressekonferenzen über die Lage, las die Zahlen der Erkrankten und Toten vor.  Für immer in Erinnerung bleiben wird mir wahrscheinlich auch die Einfahrt der “USNS Comfort”, das schwimmende Lazarett, das Zelt Krankenhaus im Central Park und die Kühl Trucks hinter dem NYU Hospital. 

Kühltrucks hinter dem NYU Hospital

Von Jetzt auf Gleich war alles anders, Mann und Kinder Zuhause. Ich war nur noch mit der Versorgung beschäftigt, täglich haben wir abgewogen, ob man noch bleiben konnte. Meine größte Sorge war, was wäre wenn jemand von uns Vieren erkrankt, wo gehst du hin. Der Mann war auch relativ schnell zuhause, kompletter Lockdown, nichts ging mehr. Nur ein Notfall Team aus Kollegen die in Manhattan wohnten, durften in das Büro fahren.

Dieser Zustand hielt ca. 6-7 Wochen an. Irgendwann im Mai 2020 brachte ich ihn dann jede Woche einmal ins Büro. Die Bahn wollten wir noch nicht nutzen. Viele Bus- und Bahn Mitarbeiter in und um NY waren an Corona erkrankt, alleine 33 Mitarbeiter der NY Busunternehmen an Corona verstorben. Bis heute wird die NYC U-Bahn kaum genutzt.

Leere U-Bahn Station – auch heute noch

Im Mai kamen dann die BLM Proteste in NYC dazu, es gab teilweise schlimme Plünderungen in Folge der Proteste, Ladenbesitzer nagelten die Fenster zu und schlossen die ohnehin leeren Geschäfte.

Wir entschieden uns Ende Mai relativ schnell dafür, dass ich mit den Kindern für eine längere Zeit nach Deutschland gehen würde. Die Schule würde nicht mehr aufmachen bis zu den Sommerferien und das Schuljahr konnten dann beide online beenden.  

Der Abstand von NY tat uns gut, die Kinder besuchten sogar Sommerferienlager und konnten abschalten und kamen endlich nach Monaten im harten Lockdown unter Kinder. Viele Familien konnten dies leider nicht, bis heute gibt es für viele Visa Halter keine Einreise in die USA.

Im August reisten wir dann zurück in die USA, nach einer 14 tägigen Quarantäne konnte wir uns auch wieder draussen bewegen. Wir nutzen den Spätsommer und Herbst für viele Ausflüge in die immer noch touristenleere Stadt.

Ich muss gestehen, ich fand das vor Corona übervolle NYC anstrengend. Nun hat man eher den Eindruck das auch die NYer selbst ihre Stadt wieder entdecken. Eine der positiven Seiten der Pandemie.

Leider schließen aber sehr viele kleine Geschäfte, zum Beispiel die, die alle Theater versorgen. Der Broadway war eines der Einnahmequellen NYC. Man kann sich kaum ausmalen, wie furchtbar die Pandemie für alle Mitwirkenden am Theater sein muss.

Gespenstisch leere Straßen in New York

NYC wird sich sicher erholen, aber um so länger die Einreisebeschränkungen andauern, umso schlimmer wird der Verlust für viele die am Tourismus hängen.

“Es hat uns zusammengeschweißt”

Für uns als Familie war es natürlich auch ein Auf- und Ab, ich hatte teilweise das Gefühle eine Art Trauer zu bewältigen. Es gab auch immer wieder bei allen Gefühlsausbrüche, aber das hat uns zusammengeschweißt. Der Mann hatte schon lange den Wunsch nach einer “Auszeit”, dieses Nomadenleben ist auch für uns alle ziemlich anstrengend. Dies sollte nun eine erzwungen, aber lang ersehnte Pause für uns alle werden. Wir hatten nun Zeit und sortierten unsere gesamten Haushalt durch, Zimmer für Zimmer, Kiste für Kiste. Das was wir seit Jahren immer wieder in Umzugskarton verfrachten – nun hatten wir genügend Zeit alles zu sichten.

Back to “new normal”

Nach den großen Sommerferien starteten die Kinder wieder in den Schulalltag. Etwas abgeändert mit Maske und in ihren Klassen Kohorten, aber diese halbwegs normale Alltag tut allen gut. Auch der Mann fährt nun wieder alle zwei Tage mit der Bahn nach Manhattan in sein Büro. Bis jetzt war der Lockdown im Frühjahr 2020 unser Einziger. Natürlich steigen mit der neuen Mutation auch hier wieder die Zahlen, aber die NYer sind, bis auf wenige Ausnahmen, eingeschworen und tragen ihre Masken und halten sich an die Maßnahmen. Zu groß war der Verlust im vergangenen Jahr, zu viele Menschen sind verstorben. Das hat bei den NYern Narben hinterlassen. Die Impfungen wecken auch hier Hoffnung auf ein normales Leben mit dem Virus. 

In uns selbst wächst wieder die Sehnsucht nach Reisen, der letzte roadtrip sollte Ostern 2020 nach Florida gehen. Leider mussten wir alles absagen. Wir hoffen darauf in den nächsten 1 ½ Jahren noch etwas von Amerika zu sehen, am wichtigsten wäre uns aber vor unserem Umzug im Sommer 2022 unsere Familie in Las Vegas noch einmal besuchen zu können. 

Liebe Johanna, danke das du mir die Gelegenheit gegeben hast, unser Jahr mit der Pandemie in dieser Form noch einmal zu reflektieren. Wir hoffen, dass es nun weltweit in naher Zukunft wieder etwas entspannter wird oder zumindest ein sicherer Zustand herrscht, dass wieder alle Menschen reisen können. Bis dahin haben wir noch ein große Portion Geduld. Alles Liebe Änne aus New York.

Danke dir liebe Änne für deine spannenden und gleichzeitig traurig stimmenden Bericht über dein Erleben der Corona Pandemie in New York! Wenn ihr mehr von Änne sehen wollt schaut doch mal auf ihrem Instagram Kanal vorbei, hier könnt ihr in ihren Storys tolle Streifzüge durch NY miterleben.

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