Ich freue mich mit meiner neuen Blogreihe heute zu starten. Die Corona Pandemie hält nun seit über einem Jahr die Welt in Atem. Lockdown, Homeschooling, Quarantäne – bis vor einem Jahr für jeden von uns noch Fremdwörter bestimmen sie heute wohl den Alltag eines jeden.

Lebte ich selbst als Expat für mehrere Jahre in Korea unter ganz normalen Umständen, frage ich mich jetzt, wie die Pandemie wohl Menschen, die zur Zeit als Expats in anderen Ländern leben herausfordert. Welche Maßnahmen schränken im jeweiligen Land den Alltag und das Leben ein? Wie geht man damit um – emotional und organisatorisch?

Ich freue mich über den Erfahrungsbericht von Jana, die zur Zeit mit ihrer Familie in Suzhou/ China lebt. Unter dem Motto Nicht die Umstände bestimmen dein Leben, sondern Du rockst die Umstände nimmt Jana uns auf ihrem Instagram Kanal mit durch ihren Alltag in ihrer aktuellen Heimat Suzhou. Dort berichtete sie auch schon von Corona als wir hier in Deutschland noch meinten uns in Sicherheit zu wiegen. Liebe Jana, erzähl doch mal, wie erlebst du …

… Corona in China – Janas Erfahrungsbericht

Wir hatten letztens Jahrestag. Jetzt nicht beziehungstechnisch oder so, sondern eher coronabedingt. Wir haben ein Jahr Corona in unserem Leben und damit einhergehend auch ein Jahr China nicht verlassen. Das ist total verrückt, weil ich im letzten Jahr davon ausgegangen bin, dass diese Viruszeit bis Sommer 2020 erledigt ist. Und nun sitze ich hier und kann auf 12 Monate Corona zurückblicken. Wie verrückt ist das? Sehr, würde ich sagen.

Ich bin Jana und ich lebe mit meiner Familie seit 2017 in China. Zu Beginn unseres Abenteuers dachte ich, wenn ich zwei Jahre in China schaffe, dann freu ich mich. Nun werden es im Sommer vier und ich kann mir gut vorstellen, noch länger hier zu wohnen.

Corona trat letztes Jahr eher unscheinbar in unser Leben und hat dann mit voller Kraft unseren gesamten Alltag auf den Kopf gestellt. Dass es diesen Virus in Wuhan gab, das hatten wir wohl gehört, doch die Stadt liegt 400 km entfernt von uns. Soweit wird er wohl nicht springen, oder doch? Am 23. Januar war unser Plan in den Urlaub zu fliegen. Meine Tochter und ich hatten dann kurz vor Reiseantritt Beschwerden. Da war das erste Mal Corona in unseren Köpfen. Was ist, wenn es dieser Virus ist? Sollen wir wirklich auf Reisen gehen? Wir entschieden uns dagegen und riefen in der Klinik an. Dort wurde uns erklärt, dass aufgrund unserer Symptome und des gravierenden Virus wir nur in spezielle Krankenhäuser gehen dürfen. Das war ein sehr beklemmendes Gefühl. Dort angekommen, fühlte ich mich in einen Science Fiktion Film katapultiert. Die Schwestern im Eingangsbereich trugen alle Schutzkleidung. Es wurde Temperatur genommen, wir mussten nachweisen, dass wir nicht außer Landes waren und unsere Kontaktdaten in eine Tabelle schreiben. Erst dann durften wir zur Ärztin. Glücklicherweise hatten wir nur die Influenza. Wir bekamen Medikamente und durften heim.

Die Tage danach waren gespenstisch. Unser Suzhou , eine Stadt mit 14 Millionen Einwohnern, war wie ausgestorben. Die mehrspurige Hauptstraße war leer gefegt. Die Baustelle war verlassen. Geschäfte schlossen und die fliegenden Händler und kleinen Suppenküchen verschwanden. Es war so still, dass wir nachts von Vögeln geweckt wurden. Unheimlich.

In den ersten Tagen war ich damit noch fein. Es war wie eine kleine Auszeit von all dem hektischen Treiben.

Die Kinder hatten eh Ferien und mein Mann Urlaub. So viel geschenkte Familienzeit – es war schön.

Gespenstisch leere Straßen in Suzhou während des ersten Lockdowns im Jahr 2020

Als dann allerdings die Zahl der Infektionen stieg, die Auflagen strenger und sogar die Ferien verlängert
wurden, wurde uns doch was mulmig. Was tun? Gehen oder bleiben?

Alles Fragen, die im Raum standen und beantwortet werden wollten. Zu diesem Zeitpunkt wurde in Europa noch Fasching gefeiert. Niemals nie hätte ich damit gerechnet, dass es für lange Zeit die letzte öffentliche
Veranstaltung dort sein wird. Ende Februar war klar, das die Schulen zu bleiben und es Homeschooling geben wird. Einhergehend damit kamen die Gedanken, was ist, wenn die Grenzen geschlossen werden und wir nicht rausfliegen können. Was ist, wenn wir hier Corona bekommen? Am Ende haben wir all diese Fragen sehr pragmatisch entschieden. Wir sind geblieben. Warum? Weil es unser Zuhause ist. Hier fühlen wir uns wohl und sicher. Selbst in den Unruhigen Zeit, die uns unruhige Gedanken schickte. Hier war unsere Festung, wo wir auftanken konnten. Wo wir uns
geborgen und beschützt fühlten. Mein Mann ging seiner Arbeit nach und wollte das Team in der Krise vor Ort unterstützen, nicht von online aus Deutschland. Damit stand zusätzlich die Entscheidung fest, dass wir uns in dieser schwierigen Situation als Familie und Paar nicht trennen werden.

Wir bleiben zusammen! Egal was kommt.

Zudem haben wir in Deutschland keine Wohnung mehr. Wir hätten irgendwo Unterschlupf finden müssen. Zu viert, mit online Schule und Arbeit. Wahrscheinlich auf engem Raum. Und niemand hätte gewusst, für wie lange. Als die Grenzen dann Ende März schlossen, war klar, dass
diejenigen, die draußen sind, auch erst mal nicht mehr reinkommen. Schlussendlich hat es für diese Familien bis Ende August gedauert, eher eine Wiedereinreise umsetzbar war. Eine lange Zeit, in der Familien getrennt waren und niemand wirklich wusste, wann diese Zeit der Trennung vorüber ist. Umso froher waren wir, dass wir uns gegen diese Idee entschieden hatten.

Wie war das Jahr?

Wir hatten von Ende Januar bis Anfang April Lockdown. Nur die Lebensmittelgeschäfte waren geöffnet. Essen war lediglich als Take away machbar und Kunst & Kultur wurden geschlossen. Ebenso Parks und öffentliche Plätze wurden gesperrt. Täglich bekamen wir die Info, doch bitte nur daheimzubleiben. Wir hielten uns daran. Aus Angst vor dem unbekannten Virus. Aus Respekt vor unserem Gastland.

Normalerwiese tobt hier das Leben – nicht während des Lockdowns – eine Mall in Suzhou

Die Rückführung in den Alltag erfolgte langsam. Zu Beginn durfte in den Restaurants pro Tisch nur eine Person sitzen. Ebenso bei den Friseuren und Zahnärzten durfte ausschließlich eine Person den Laden betreten. Als man sah, dass alle mitmachen, wurden diese Regelungen gelockert.
Temperaturcheck beim Betreten eines öffentlichen Geschäftes plus das Tragen einer Maske ist bis heute Pflicht. Grundsätzlich ist der Chinese sehr bedacht auf seine Gesundheit. Das Tragen einer Maske und das Desinfizieren seiner Hände wurde schon vor der Pandemie getan. Mit der Pandemie ist diese Verhalten einfach noch normaler geworden. Niemand stört sich daran. Das macht es einem einfach mitzumachen.
Die Schulen waren für 3 Monate geschlossen: Es gab Homeschooling und ich war überrascht, wie gut es lief. Sicherlich ist es dem zu danken, das die digitale Welt hier schon vor der Pandemie in den Schulen Einzug hielt. Es gab und gibt einige Plattformen, die auch während der aktiven
Schulzeit genutzt werden. Das war ein großer Vorteil, da man in der schulfreien Zeit diese weiterhin anwenden konnte. Ja, es war ein anderes Lernen von daheim. Doch da die Kinder Zugang zu ihren Lernmaterialien hatten und die Lehrer via Zoom ansprechbar waren, war es eine
prima Möglichkeit. Unsere Pläne, im Sommer nach Deutschland zu fliegen, mussten wir absagen. Überhaupt haben wir in diesem Jahr mehr Urlaube storniert als gebucht. Genauso wurden alle Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit der Schule standen, gestrichen. Pläne machen war zu einer wackligen Angelegenheit geworden. Zum Ende des Jahres hin haben wir einfach nichts mehr geplant, was länger als eine Woche im Voraus war. So haben wir uns die Enttäuschungen erspart, wenn die Umsetzung nicht machbar war. War der fehlende Besuch bei unseren Familien in Deutschland im Sommer ok, kam die Sehnsucht, je näher es auf Weihnachten zuging. Schleichend.

Auch jetzt wissen wir noch nicht, wann wir die Möglichkeiten haben, unbeschwert nach Deutschland zu reisen. Die Situation weltweit ist sehr angespannt. Wir kommen zwar jederzeit aus dem Land raus, doch aktuell eben nicht wieder rein.

Zudem sind die Flugpreise angestiegen, was einen großen finanziellen Aufwand nach sich zieht. Neben all diesen Entbehrungen und Unsicherheiten gab es auch schöne Momente. Momente, in denen wir unsere Umgebung und China entdeckten. Momente, die uns als Familie näher gebracht haben und in Erinnerung bleiben werden. Alles hat immer zwei Seiten, das ist eine erlebte Erkenntnis, die mir noch bewusster geworden ist.

Ein Jahr Corona liegt nun hinter uns und eine unbestimmte Zeit mit ihm vor uns. Ich weiß nicht, wann und wie sich die Lage entspannt und ob wir jemals wieder unseren gewohnten Alltag zurückbekommen. Was ich dagegen weiß, und das gibt mir Sicherheit und Klarheit, dass meine
Familie vor Ort auf engem Raum gut funktioniert. Das mein Mann und ich krisentauglich sind und als Paar gemeinsam gute Entscheidungen treffen können. Meine Dankbarkeit für eine funktionierende Gesundheit ist enorm gestiegen. Ebenso das Wissen um die Menschen, mit denen wir aktuell nur online verbunden sind. Freundschaften definieren sich eben nicht über die Wohnnähe. Ich weiß, dass ich in China andere Erfahrungen mit Corona gemacht habe, als Menschen anderswo auf der Welt. Ebenso ist mir klar, dass ich am Ende dankbar auf angenehme Umstände zurückblicken kann. Doch am Ende zählt für mich, dass wir uns genau darüber austauschen, ohne einander zu neiden, weil es anderen besser erging.

Mit sonnige Grüßen aus China
Jana

Danke dir Jana…

… für deinen persönlichen Bericht über das vergangene Jahr in China im Schatten von Corona. Wenn ihr gerne mehr von Jana lesen möchtet, dann schaut vorbei auf ihrer Homepage Raus aus der Frauenbox . Jana hat dort einen virtuellen Raum geschaffen, für Frauen, die sich inspirieren lassen wollen für das eigene Leben und das Verwirklichen ihrer Träume.

Das Frauen im Leben alles werden können und nicht in Rollen stecken bleiben müssen, genau darum geht es hier.

Schaut einfach mal bei ihr vorbei!

Nächstes mal lest ihr, wie Änne die außergewöhliche Corona Zeit in New York erlebt hat. Bis dahin, bleibt alle gesund!

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