Kategorie: Leben im Ausland

Zurück in Deutschland (Repatriation Part 1)

Repatriation: Die Rückholung ins Herkunftsland. Ein Jahr nach unserer Rückkehr nach Deutschland möchte ich einen Rückblick wagen: Wie ist es uns ergangen, was ist alles passiert? Was waren die Herausforderungen und was war besonders schön? Unser erstes Jahr zurück in Deutschland:

Juli bis September 2018 – Repatriation

Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie emotional der Abschied von Seoul für uns alle war. Wir alle ließen uns lieb gewonnene Menschen zurück. Doch die Freude überwog: nach drei Jahren wieder näher an unsere Familie & Freunde rücken – so war auch das große Wiedersehen am Frankfurter Flughafen emotional und sehr schön!

Wiedersehen Flughafen Frankfurt

Gleichzeitig mussten wir uns mit dem Tatsache anfreunden in Deutschland nicht in unsere alte Heimat zurückzukehren, sondern auch wieder in eine Gegend zu ziehen, zu der wir keinerlei Bezug hatten. Next stop: Franken! So zogen wir für 2 Monate in eine Übergangswohnung in Erlangen und begannen das beschauliche Kleinstadtleben mit viel Natur, ganz vielen Spielplätzen und einem sehr heißen Sommer (ohne Klimaanlage) zu genießen. Es war ein schöner Sommer, wir durften wieder alles neu entdecken. Ich weiß noch wie fasziniert ich vom morgendlichen Vogelgezwitscher, dem satten grün der Wiesen und Wälder war und wie irritierend und teilweise auch anstrengend ich es empfand plötzlich wieder alles Gesprochene auf der Straße, im Bus, im Restaurant, im Einkaufsmarkt zu verstehen.

Doch die Sommermonate zogen sich, wir waren lediglich mit ein paar wenigen Koffern eingereist, uns fehlten unsere eigenen vertrauten Sachen und erschwerend kam hinzu, dass wir in Korea bereits 2 Wochen Ferien hatten, in Bayern die Sommerferien 4 Wochen nach unserer Ankunft erst begannen und dann natürlich auch noch 6 Wochen andauern würden. Das hieß für uns: insgesamt 12 Wochen Ferien, 12 Wochen = 3 Monate. 3 Monate in einer Übergangswohnung in einer Umgebung, in der wir niemanden kannte, die Mädchen keine Freunde hatten und wir uns erstmal aklimatisieren mussten und es unglaublich viel zu organisieren gab. Es war teilweise ein Spießrutenlaufen, der an unser aller Nerven zerrte.

Umso dankbarer war ich, als eine liebe Freundin uns kurzerhand nach Österreich in ihr Ferienhaus einlud.

Kärnten Sommer 2018

So machten wir uns eine wunderschöne gemeinsame Zeit im schönen Kärnten. Vielen lieben Dank an dieser Stelle nochmal an Veronika von Meine Kostbarkeiten.

Irgendwie haben wir diese super lange Ferienzeit dann doch rum bekommen und durften unserem nächsten Event entgegenfiebern: Emis Einschulung!

September bis Dezember 2018 – Ankommen

Am 01. September 2018 zogen wir aus unserer Übergangswohnung in Erlangen aus und in unser Haus auf einem Dorf zwischen Erlangen und Forchheim ein. Wir hatten uns bewusst für das Leben auf dem Dorf entschieden – aus 2 Gründen. 1. die Mieten in der Stadt sind exorbitant hoch und die Objekte, die uns der Makler zeigte überzeugten uns nicht. 2. Wir wollten nach drei Jahren Seoul, schlechter Luft und wenig Natur die volle Ladung Natur mit allem drum und dran. Bis heute genießen wir das Grün, die frische Luft, die Weite und die Ruhe.

Anfang September feierten wir den 4. Geburtstag unserer Selma. Das nächste Event sollte sich schnell anschließen.

4. Geburtstag Selma

Ab dem 11.9. hieß es dann für Emi: Der Ernst des Lebens beginnt… Furchtbarer Spruch, aber doch auch wahr, denn sehr schnell holte uns die harte Realität des deutschen Schulsystems ein. Kein Kuschel-Modus mehr, wie wir es aus unserem tollen international Kindergarten in Korea gewohnt waren, nein, jetzt zählt nur noch Leistung, der Lehrplan muss durchgeboxt werden, um jeden Preis.

Einschulung Emi September 2018

Emi verlor leider sehr schnell die natürliche Lust am Lernen, die sie durch die ECLC-Jahre entwickelt und begleitet hatte. Zu schnell verlangte das System zu viel von ihr ab, sie musste sich sozial erst neu eingliedern, neue Kontakte knüpfen, beim Lernpensum mithalten – es war viel – aber sie meistert es mit Bravour. Heute, ein Jahr später haben wir es geschafft, ihre Freude am Lernen wieder zu wecken, vermutlich war es einfach zu viel auf einmal kurz nach der Rückkehr aus Seoul.

Gleichzeitig startete auch Selmas Kindergarten, beide Kinder waren somit betreut. Natürlich ging all das nicht so smooth, wie es sich hier vielleicht liest, in kürzester Zeit mussten wir (Deadline war der Schulstart) uns neu orientieren, sämtliche Behördengänge erledigen (wieder neu anmelden, Auto anmelden, dann wieder abmelden und alles wieder neu anmelden aufgrund des zweimaligen Umzugs), die Schuluntersuchung musste nachgeholt werden, eine Wohnung oder ein Haus und die Kita für Selma gefunden werden. Es war eine turbulente Zeit.

Doch nun hatten wir all das geschafft und ich sah mich mit der Frage konfrontiert: Wie soll es überhaupt für mich weitergehen? Ich hatte mich in all dem Trubel entschieden, meinen Marktwert einfach mal zu testen. Was damals genau der Trigger war, weiß ich nicht mehr, ich kann mich aber noch erinnern, dass mein Rentenbescheid der im Laufe der ersten Wochen nach unserem Rückzug ins Haus flatterte, mich darin bestärkte das Projekt “Working-Mom” sehr ernsthaft anzugehen. Mittlerweile war ich 4 Jahre nicht mehr in einem Angestellten-Verhältnis beschäftigt – das wollte ich ändern.

Nach kurzem Bewerbungsprozess bot sich mir die Gelgenheit einer Vollzeitstelle mit Option auf bis zu 3 Tage Homeoffice – Bingo, das klang super, das wollte ich jetzt unbedingt! Also begann ich zu organisieren, Fragen die aufkamen:

  • Kinderbetreuung
  • Haushalt
  • Fahrtstrecke – 40km täglich: ich brauche unser Auto (wir hatten bis dato nur ein Auto, mein Mann bot an er könne die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen – super, so machen wir das)

Zum Thema Kinderbetreuung war schnell klar, dass wir es mit einem Aupair probieren wollen. Ich vertiefte mich in das Thema, las Blogbeiträge, Erfahrungsberichte und ging gleichzeitig auf die Suche nach einem Aupair, das für uns geeignet war. Hierzu werde ich euch gerne detailliert in einem separaten Beitrag berichten.

Schlussendlich wurden wir sehr kurzfristig fündig und unser Aupair aus Indonesien zog Mitte November bei uns ein. Die Kinder fanden es sehr spannend und ich war froh und beruhigt, dass alles sehr smooth von statten ging und ich mich auf meinen Einstieg zurück in die Arbeitswelt voll und ganz konzentrieren konnte.

Wie es mir und uns als Familie dabei erging erzähle ich euch in meinem Beitrag Repatriation Part 2.

Vom Ende, vom neuen Anfang und Visionen

Nun ist es soweit und für uns heißt es Abschied nehmen. In 8 Wochen werden wir hier in Seoul unsere Zelte abbrechen und unsere Reise zurück nach Deutschland antreten. Es sind gemischte Gefühle, mit denen ich zur Zeit konfrontiert werde.

Zwischen Vorfreude und Unsicherheit

Da ist zum einen natürlich unglaubliche Vorfreude auf Familie und Freunde in Deutschland. Seit April 2016 war ich nicht mehr dort und habe viele mir liebe Menschen seitdem auch nicht mehr gesehen und sehr vermisst. Gleichzeitig drängt sich mir ein starkes Gefühl von Unsicherheit auf, denn wir gehen nicht an den Ort zurück von wo aus wir unsere Reise nach Korea angetreten sind. Wir werden nicht nach Frankfurt zurück kehren. Unser nächster Stopp wird Erlangen – Nürnberg sein. Ich war noch nie dort, ich habe keine Ahnung und bin gleichzeitig begeistert, wenn ich mir im Internet Bilder ansehe und die vielen schönen für mich so typisch deutschen Häuser sehe, die viele Natur, das viele Grün, das für mich noch so Ursprüngliche – denn das ist es, was ich hier vermisst habe. Ich bin Großstadt gesättigt – meine Ohren und mein Kopf rauschen – ich wünsche mir Ruhe, Ursprünglichkeit, Natur, Nähe, nicht mehr so viel artificial und Smog und Beton.

Wir kommen also zurück – und es wartet wieder ein neues Abenteuer auf uns – eine für uns neue, unbekannte Stadt, mit neuen uns noch nicht bekannten Menschen, Freundschaften, die geknüpft werden dürfen, Gegenden die erkundet werden wollen, Herausforderungen, die gemeistert werden möchten und natürlich ein riesen Rucksack vollgepackt mit Plänen, die wir haben für uns persönlich, für uns als Familie, beruflich, unternehmerisch und und und…

Wir halten die Spannung hoch

Und ich glaube, das ist es ein wenig, dass uns trägt. Diese Spannung für unser Tun und unsere Pläne, die wir immer wieder erschaffen. Egal wohin der Weg uns führt, wir haben Pläne, wir machen uns selbst diese Pläne, wir kreieren uns Vorstellungen unserer Zukunft, in der wir wünschen zu leben, wir schaffen Bilder in unseren Köpfen, die wir anvisieren und die uns da hinbringen sollen wo wir hinkommen – ortsunabhänging. Das fühlt sich für mich ein bisschen nach Freiheit an – die Fähigkeit dies zu beherrschen nach Luxus. In diesem Kontext ist es mir auch völlig egal, wo ich auf der Welt bin und deswegen ist für mich der Ort mittlerweile zweitrangig.

Ich visualisiere mir meine Welt ganz so wie sie mir gefällt

Fragen und Aussagen, die mich aktuell erreichen: Ja nun ist Erlangen aber gar nicht der Ort wo du herkommst, du kennst das ja gar nicht, das ist doch bestimmt nicht leicht. Oder: Das wird doch bestimmt total schwer für euch, wenn ihr dann gar nicht nach Frankfurt wieder zurück kommt und in Erlangen ganz von 0 anfangen müsst. 
Es fällt mir schwer, solche Aussagen zu verstehen. Ich sehe den Schwierigkeitsgrad nicht und darüber bin ich auch froh. Vermutlich fällt es uns einfach so leicht, wie wir uns wünschen, dass es leicht fallen soll – Stichwort Visualisierung. Was soll ich mich denn jetzt gerade damit beschäftigen, welche Hürden und vermeidlichen Schwierigkeiten uns dort erwarten werden, wenn ich a) noch gar nicht da bin und b) es sogar hinbekommen habe gemeinsam mit meiner Familie am anderen Ende der Welt glückliche und erfüllende Jahre zu verbringen. Man mag mich nun Träumerin nennen – das klingt so negativ –  ich möchte mich lieber als eine Visionärin sehen. Ich möchte nicht stagnieren aus welchen fadenscheinigen Gründen auch immer. Ich möchte mich selber auch nicht blockieren mit Gedanken solcher Qualität, sie fördern nicht, sie fordern nur zu viel Energie, ich möchte lieber das Potential in etwas sehen, die Chance, das, was es mir Gutes bringen kann.

Und deswegen sehe ich unseren nächsten Schritt als unsere nächste Chance, für jeden Einzelnen von uns, als Familie, als Paar, beruflich, privat, auf allen Ebenen in allen Facetten. Ich bin neugierig, ich bin gespannt, ich WILL das JETZT und wir haben Pläne – das ich so wichtig!!

Und ich freue mich auch außerordentlich, wenn ihr uns auch auf diesem Weg begleitet! Danke, dass ihr dieses ganze Stück schon gemeinsam mit uns gegangen seid, danke für all euer Feedback vor allem auch bei Instagram – wir sind mittlerweile 800 und ich freue mich über jeden einzelnen von euch!

 

 

Von Großelternliebe und strahlenden Kinderaugen

Vergangene Woche hatten wir Besuch. Die Großeltern aus Deutschland waren angereist, zum ersten Mal nach Korea, zum ersten Mal waren sie so weit weg von Zuhause. Ich freue mich jedesmal wenn unsere Liebsten diese lange Reise für uns auf sich nehmen.

Es war herzerwärmend und schön. Wir brauchten nicht viel Sightseeing und Touri-Programm, sondern nur uns und ganz viel gemeinsame Zeit. Die Kinder waren so glücklich, das Strahlen ihrer Augen, die Klarheit im Blick, das intensive genießen. Fallen lassen im Moment und aufgefangen werden von Liebe, die sie trägt. Die Liebe der Großeltern ist so anders als die Liebe der Eltern und sie ist so wichtig, so elementar für diese kleine Herzen, für ihr Urvertrauen, für ihr Verständnis von sich selbst. Man konnte es förmlich sehen, es lag in der Luft in dieser Woche.

Die Tränen beim Abschied taten weh, doch wir konnten sie schnell trocknen. Nun ist wieder Alltag und uns bleibt eine wunderschöne Erinnerung an eine intensive gemeinsame Zeit.

Kidscafes in Seoul

Ich wurde mittlerweile so oft auf unsere Kidscafes hier in Seoul angesprochen und gerne erzähle ich euch ein bisschen mehr davon.

In Seoul gibt es sehr viele Kidscafes. Kidscafes sind Cafes, denen ein riesen Spielbereich für Kinder angegliedert ist, wo sie sich austoben können und die Eltern gleichzeitig entspannt ihren Kaffe genießen und sich unterhalten können. Obendrein gibt es meistens Betreuungspersonen, die nicht nur ständig damit beschäftigt sind aufzuräumen, sondern auch ein Auge auf die Kinder haben, mit ihnen Lego bauen oder malen und auch mal ein Tränchen trocknen, wenn sie hinfallen (Natürlich liegt die Verantwortung aber bei den Eltern, ihre Kinder im Auge zu behalten).

Am liebsten gehen wir mittlerweile in das HelloBangBang Kidscafe in Haengdang oder das Lilliput Kidscafe in Hannam Dong. Sie sind beide wunderschön zum spielen.

Lilliput Kidscafes sind sehr fancy und schick, aber auch teuer (insbesondere das Essen und die Getränke!), doch es lohnt.

Für alle Neuankömmlinge in Seoul hier die Adresse:
85 Dokseodang-ro, Hannam-Dong, Yongsan-gu, Seoul
Für das koreanische Navi oder den Taxifahrer könnt ihr die koreanische Adresse verwenden:
서울 용산구 독서가로 85 (한남동) 지하1층

Es lohnt sich anzurufen und zu reservieren (mein Lieblingsplatz, der ovale Tisch in der Mitte mit den gemütlichen Sesseln 😉
02-792-9873

Im Lilliput Kidscafe trifft man viele Expats, das Kidscafe ist bekannt in der Community, außerdem sind sehr viele Konsulate und das UN Village in der Nähe.

Wer es lieber etwas einheimischer mag, dem empfehle ich das HelloBangBang Kidscafe in Haedang. Es ist so toll dort.

Eigentlich ist es 1 Raum mit sehr hohen Decken, die Besitzer haben eine 2. Ebene eingebaut und so mehr Raum zum spielen und sitzen geschaffen wurde. Es ist wirklich toll gemacht, schaut es euch unbedingt einmal an.

Hello Hello Bang Bang Kids Cafe (Haengdang)
헬로방방 키즈카페 (행담역점)
Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln: Line 5, Exit 4, Lotte Mart, 4. Stock (Aufzug!)
Die Adresse:
82 Haengdang-ro, Haengdang2(i)-dong, Seongdonggu, Seoul
Auf koreanisch: 서울 성동구 행당로 82 (행당동 346)

Es gibt bei Facebook eine Gruppe, Kiddin around Soko, hier posten Eltern, wenn sie ein neues Kidscafe entdeckt haben oder wenn ein Kidscafe wieder schließt.

Ich wünsche euch viel Spaß beim entdecken und spielen und Kaffe trinken, eure Kinder werden es garantiert lieben.

P.s.: Kennt ihr eigentlich schon meinen Instagram Account? Dort poste ich regelmäßig Bilder und Videos aus unserem Alltag. Ich freue mich, wenn ihr auch da mit dabei seid, einfach hier klicken.

Wir bleiben noch ein bisschen hier – Seoul 2017

Seit Mai 2015 leben wir nun also in Seoul. In Südkorea. Über 8000 Kilometer entfernt von unserer Heimat, Freunden und Verwandten.

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Die vergangenen anderthalb Jahre waren spannend, anders, eine Herausforderung in vielerlei Hinsicht, nicht immer einfach, aber meistens sehr schön, von allem etwas und von Neuem ganz viel, dafür von Altbekanntem ziemlich wenig, was auch nicht unbedingt schlecht sein muss. Wir fühlen uns wohl und das ist, denke ich, die Hauptsache.

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Heute ist der 7.11.2016 und eigentlich sollten wir seit 7 Tagen schon wieder in Deutschland sein. Vielleicht hätten wir eine neue Wohnung, vielleicht auch nicht, vielleicht wären wir irgendwo vorübergehend erstmal untergekommen, bis wir vor Ort dann alles Nötige geregelt hätten. Unser Ausweis hier lief ab, am 31.10.2016, eigentlich sollten wir also gar nicht mehr hier sein, aber wir sind es noch, denn wir bleiben noch ein bisschen hier – in “unserem Seoul”, das also vorübergehend sicherlich nicht Heimat, aber zuhause geworden ist. Weiterlesen