Kategorie: Gedanken

Über Lebensverändernde Momente

14.12.2019 – mein letzter Beitrag hier – es ist Zeit Mamalogik zu entstauben, wieder mit Leben zu füllen, Geschichten zu erzählen, Gedanken zu teilen. Fast fällt es mir schwer über die Seite zu scrollen und die Beiträge anzusehen, es ist so viel passiert und das letzte Jahr, dieses 2020 war für uns alle ein außergewöhnliches, ein nervenraufreibendes, ein veränderndes. Lasst mich im Dezember 2019 beginnen, als mein Leben plötzlich und kurzfristig aus den Fugen geriet.

Meningitis

Meningitis – Hirnhautentzündung – sagte mir bis dahin: Nichts! Weder wusste ich, woher man sie bekommen könnte, noch war mir bewusst, dass eine Hirnhautentzündung lebensbedrohlich sein kann. Bis ich es am eigenen Leib zu spüren bekam. Erkältung, Nasennebenhöhlenentzündung, Mittelohrentzündung und dann… Pneumokokken (Bakterien) wandern ins Gehirn und schalten mich einmal komplett aus. Ich erspare euch Details, so viel sei gesagt: es ging schnell, ich bekam nicht viel mit und verstand als ich wieder aufwachte die Welt um mich herum nicht mehr.

Was war passiert, ich war doch bloß erkältet? Wieso bin ich im Krankenhaus und wie um Himmels willen bin ich hier her gekommen? Seit wann liege ich hier auf dieser Intensivstation und was sind das alles für Geräte? Es ist wie ein Filmriss, dir fehlen Tage in deinem Leben, keine Erinnerung, einfach Nichts. Du hörst zu, was dir erzählt wird, über dich, über das was da war und mit dir gemacht wurde und es klingt wie als lauschtest du einer Geschichte mit der du nichts zu tun hast, dabei ist es deine eigene Geschichte, dein Kampf ums überleben. Das klingt verrückt.

Man kann das Leben rückblickend manchmal aufteilen in ein “davor” und ein “danach”, dies war so ein Lebensereignis. Es ist einer dieser “lifechanging-moments”. Diese Hirnhautentzündung, sie hat mich viel gelehrt und trotzdem hätte ich sie mir gerne selbst erspart, aber es ist wie es ist und wir müssen es eh nehmen wie es kommt, also machen wir weiter mit einer neuen Erfahrung im Gepäck.

Seitdem

Prioritäten haben sich verschoben, Wahrnehmungen verändert, Situationen werden anders bewertet, es ist als sähe man mit schärferen Augen auf das Leben und die Welt, auf die Menschen um sich herum und all das was da ist. Mir geht es so. Jeder Moment ist kostbar und im vollen Bewusstsein darüber sein zu können, dass jeder Moment die Option einschließt ein letzter sein zu können ist bereichernd und beängstigend zugleich. Wir ignorieren so gerne die Tatsache, dass wir nicht unendlich hier sein werden, dass Leben immer auch heißt irgendwann gehen zu müssen, das Leben endlich ist, unsere Tage hier nicht ewig sind, sie sind zählbar – von hinten. Und gleichzeitig leben wir als hätten wir alle Zeit der Welt – für immer. Wir wiegen uns in der vermeintlichen Gewissheit das hier unser Platz ist und immer sein wird, wir sind stark und nichts wirft uns aus der Bahn – das passiert wenn überhaupt eh nur “den Anderen”. Doch so ist das nicht – was heute ist, ist nicht garantiert morgen auch noch (so) zu sein. Also bin ich dankbar, versuche ich bewusst dankbar zu sein, für jeden Tag, für die Momente, ich schaue manchmal einmal mehr hin als ich es davor getan habe, oder einfach mal eine Sekunde länger. ich konserviere die Guten und lasse die schlechten einfach los. Ich mache langsam und hetze nicht durch dieses Leben, denn wofür? Warum an allem vorbei rennen? Warum sich selbst in Stress versetzen? Bewusst wahrnehmen, den Moment mitnehmen, tun was ich gerade tue und nicht noch 1000 Dinge nebenher. Und im Alltag geht mir das auch oft wieder verloren, gerade mit Kindern und Baby und Haus und Corona und allem drum herum – aber ich finde es immer wieder und dann fällt mir wieder ein worum es eigentlich geht und dann fällt es mir wieder leicht, den Moment so zu nehmen wie er ist und ihn schön zu finden und dankbar zu sein, dass ich ihn erleben darf. Seitdem ist einfach alles ein bisschen intensiver, bewusster, es erfüllt den Moment mit Leichtigkeit und Schwere zugleich.

Und oft ist da auch Angst, da kommen Bilder und Erinnerungen und Träume, das ist nicht so schön. Aber es lässt sich mit leben und das ist die Hauptsache. Ich möchte so vieles noch erleben, meine Kinder groß werden sehen, sie begleiten und einfach bei allem mit dabei sein können, es ist nicht selbstverständlich, dass wir das können, das weiß ich seitdem!

Unser kleines großes Wunder

“An erster Stelle steht das Leben ihrer Frau” – sagte man meinem Mann. Harte Worte und wenn ich heute unser kleines bezauberndes Wunder ansehe trifft es mich mitten ins Herz. Es ist alles gut gegangen. Ich kann dankbar und glücklich sein, dass sie so tapfer mit mir gekämpft hat, dass sie hartnäckig war und die Stärke besaß sich da durch zu beißen, das wir das zusammen geschafft haben, ich sie heute in meine Arme schließen kan und wir zusammen kuscheln und lachen können. Ein Arzt sagte zu mir im Krankenhaus: “Sie sind wie kleine Parasiten, sie nehmen sich was sie brauchen!” – Und das hat sie getan. Sie ist Gott sei dank ein lebendiges, süßes, quirliges kleines Mädchen und macht unsere mittlerweile große Familie komplett und glücklich! Elanur du kleines Wunder, es ist wunderbar dass du bei uns bist!

Ich habe nun wirklich lange gebraucht um darüber schreiben zu können, meine Gedanken dazu sind auch nach wie vor nicht richtig sortiert, doch es tut gut sie hier so auszuformulieren und mit euch zu teilen. Hattet ihr “lebensveränderte Momente”, Momente, die euer Leben nachhaltig geprägt haben? Ich freue mich, wenn ihr sie mit mir teile.

Sind wir noch echt? Von Einheitsbrei und Filter-Wahn

Ich habe ein Gedicht geschrieben, es geht um Filter, um Echt-Sein und darum, ob Echt-Sein in einer perfekt inszenierten Welt überhaupt Platz hat? Aber fangen wir von vorne an:

Authentizität – das Buzzword zieht sich 2019 durch alle Plattform – wieder mehr Echt-sein, überhaupt mal Echt-sein, kein Fake bitte – schließlich möchten wir das ja auch glauben können, was uns da so gezeigt wird, wir wollen die Wahrheit, nichts unechtes, nichts vorgespieltes. Auch ich poste auf Instagram in meinen Storys gerne Bilder unter dem Hashtag #mehrrealitätaufinstagram – unter diesem Hashtag finden sich auf Instagram aktuell 57.9K Beiträge und trotz des Wunsches nach “Mehr Realität” schleichen sich viele, viele mit Filter versehene Bilder unter diese 57.9K Beiträge. Wieso?

Die Story-Filter heben das Ganze nochmal auf ein ganz neues Level, plötzlich können wir uns alle mit nur einem Klick nicht nur super freaky und lustige Hunde-und Katzenöhrchen in unser Gesicht zaubern, nein, wir können uns quasi einer digitalen Schönheits-Operation unterziehen, in sekundenschnelle haben wir wunderbar glatte, jugendliche, traumhaft schöne, sogar gebräunte Haut – Wieso? Und nicht nur das, die Filter-Technologie steckt noch in den Kinderschuhen, wer weiß was da noch alles kommt – but who cares…?

Mich beschäftigt dieses Thema und da bin ich nicht die Einzige. Auch auf Instagram haben schon einge das Thema poraktiv angesprochen, so zum Beispiel die liebe Svenja von Meine Svenja. Aus ihrer kreativen Feder stammt beispielsweise dieses GIF:

Auch die “Sinnfluencerin” Caro @Caroandthegang beschäftigt sich in einem ihrer aktuellen Postings mit der Thematik, sie schreibt: “Es gibt da eine Sache auf dieser Plattform, die ich nicht verstehe. Alle schreien nach #mehrrealitätaufinstagram und im gleichen Atemzug wird scheinbar so wenig hinterfragt. Eine Mama jammert über Augenringe wegen schlafloser Nächte. Ich sehe sie nicht. Wegretouchiert. Eine Frau jammert über Falten. Ich sehe sie nicht. Dank Filter. Ich lese von Chaos in der Wohnung. Ich sehe es nicht, nur einen fein inszenierten #instaroom (…)”

Das Format, das ich gewählt habe, um meine Gedanken hierzu in Worte zu fassen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen ist ein Gedicht, das ich heute mit euch teilen möchte (Premiere, ich habe noch nie ein Gedicht von mir veröffentlicht). Hier nun meine Gedanken zu einem wichtigen, relevanten und aktuellem Thema:

Wie steht ihr zum Thema Facefilter, Filter im Allgemeinen und Echt-Sein auch auf Social Media? Ich würde mich über eure Meinungen und Ansichten als Kommentare zu meinem Beitrag freuen!

Und hey, natürlich verwende ich auch mal einen Filter, nur eben in Maßen und lieber einfach in Echt!

Welt, dir fehlt Liebe! Gedanken zu aktuellen Ereignissen

Die Ereignisse haben sich in den letzten Wochen regelrecht überschlagen. Es ist ja nun nicht so, dass es nicht immer schon schlechte Nachrichten gegeben hätte, dennoch habe ich im Moment das Gefühl, dass sich die Schreckensmeldungen häufen. Amokläufe, Anschläge, Menschen sterben gefühlt verhäuft jung an Krebs oder anderen schlimmen Krankheiten und dann wurden wir leider auch noch fast Zeuge davon, wie ein Mensch, der seinen Depressionen nicht mehr stand halten konnte, sich entscheidet diese Welt zu verlassen. “Am Ende. Es hat leider nicht gereicht für ein ganzes Leben.” twitterte Johannes Korten, ein bekannter Blogger, vergangene Woche, veröffentlichte auf seinem Blog seinen Abschiedsbrief und nahm sich das Leben. Als ich seine Twittermeldung und all die flehenden Aufrufe in den Kommentaren darunter, seine Entscheidung nochmal zu überdenken, las, war auch ich am Ende. Ich fragte mich einmal mehr, was hier auf unserer eigentlich doch so schönen Welt gerade los war und weshalb es sich so anfühlte, als würden nur noch dramatische Dinge passieren und wir alle sind mittlerweile ‘mittendrin statt nur dabei’.

Früher vs. heute
Früher war das anders, dachte ich. Früher passierten sicherlich auch sehr viele schlimme Dinge (hier ein interessanter Artikel dazu: ‘Steuert die Welt auf eine Katastrophe zu oder trügt uns unser Gefühl?’), die Berichterstattung darüber und die Möglichkeiten Zugang zu Informationen zu bekommen waren allerdings anders. Wir konnten nicht live dabei sein, wenn sich irgendwo auf der Welt plötzlich etwas furchtbares ereignete, niemand konnte schreckliche Bilder von blutüberströmten Menschen twittern oder Videos hochladen, die nichts außer Angst, Schrecken und Leid abbilden. Es drängt sich mir das Gefühl auf, so schrecklich alle all diese Taten auch finden, die Sensationsgier steigt mit jeder Meldung. Die Liveticker sämtlicher Medien-Portale batteln sich um das neuste Update, die Twitter-User twittern und hashtaggen wild drauf los, sobald es das Weltgeschehen wieder zulässt. Hierbei gilt nicht selten, je sensationeller und reißerischer das Posting, der Tweet, das Bild, das Video, umso besser. Wir alle können heute Paparazzo fast jeder Situation auf dieser Welt sein, sei sie schrecklich, abstoßend, angst-einflößend oder gefährlich, das ist völlig egal. Ich finde das nicht gut, das stört mich, das nervt mich, es macht Angst, versetzt in Schrecken und hinterlässt ein ungutes Gefühl.

Bekommen unsere Kinder davon etwas mit?
Ich mache keine Nachrichten an, solange die Kinder wach sind. Mit 4 und 2 Jahren finde ich, müssen sie noch nicht wissen, wie viel Böses da draußen in der großen, weiten Welt existiert. Meine Kinder (zumindest die Große) wissen, dass Menschen sterben, dass sie beerdigt werden und ihr Körper dann unter der Erde liegt – das ist natürlich, das ist der Kreislauf des Lebens. Dass es Menschen gibt, die vorsätzlich andere Menschen töten, dass es neben Liebe leider auch ganz viel Hass auf unserer Welt gibt und zu was der Hass der Menschen in der Lage ist, das möchte ich sie noch nicht wissen lassen. Dass ich sie nicht ein Leben lang davor bewahren und schützen kann ist mir bewusst, doch möchte ich ihr Vertrauen in Liebe, Menschlichkeit und Mitgefühl so lange uneingeschränkt wachsen lassen, wie es mir nur möglich ist. Ist das naiv? Ist mir egal, denn ich bin fest davon überzeugt, dass es genau das ist, was unserer Welt fehlt – mehr Liebe!

Liebe. Menschlichkeit. Mitgefühl.
Wo Liebe ist, da ist Menschlichkeit. Wo Menschlichkeit ist, da ist Mitgefühl. Wo Mitgefühl ist, da ist kein Platz für Hass. Das ist so einfach und so schön und gleichzeitig offensichtlich so schwer.

Du kannst etwas verändern!
Wir sollten uns jeden Tag fragen, in was für einer Welt wollen wir eigentlich leben? In was für einer Welt wollen wir unsere Kinder aufwachsen sehen. Ist es eine Welt voller Leid, voller brutaler, unmenschlicher Ereignisse oder eine Welt, in der wir unsere Mitmenschen so behandeln, wie wir selbst gerne behandelt werden würden? Eine Welt, in der wir im Kleinen das säen, was wir im Großen gerne gesät sehen würden, um später das zu ernten, was die Welt vielleicht ein Stückchen besser machen würde – ein aufrichtiges und respektvolles Miteinander getragen von Akzeptanz auch für das, was anders ist, als das was wir es vielleicht kennen. Anders muss nicht immer schlecht sein, anders ist schlichtweg einfach anders und für die Anderen einfach normal. So easy ist das 😉

Die Meisten von uns leben tatsächlich in der priviligierten Situation entscheiden zu können – und das jeden Tag aktiv aufs Neue – wie sie leben möchten. Damit meine ich nun nicht, ob in einer großen Villa mit Pool oder doch lieber bescheiden in einer 2 Zimmer Wohnung. Ich meine die eigene innere Einstellung dazu, wie wir miteinander und auch mit uns selbst umgehen möchten. Wir können uns jeden Tag aufs Neue dazu entscheiden in diese Welt, die so grausam und kalt im Moment auf uns wirkt, ganz viel Menschlichkeit zu bringen. Grüßt die Menschen, die euch auf der Straße begegnen, lächelt sie an, anstatt ein mürrisches Gesicht aufzulegen. Fangt im Kleinen an und macht die Welt euren Möglichkeiten nach in eurem Wirkungskreis zu einem besseren Ort. Wir haben die Wahl, wir können uns dazu entscheiden – und das ist die gute Nachricht 🙂

So, genug gefaselt. Haltet mich für naiv, das ist euer gutes Recht, ich fühle mich wohl mit diesem Ansatz in meiner kleinen, gott sei dank heilen, rosaroten Welt 😉

Alles-Liebe_Unterschrift-neu

Gemischte Gefühle – unser erster Deutschland-Besuch steht an

Samstag, 26.03.2016. Gar nicht mehr lange und dann heißt es für uns Urlaub. Ein ganz besonderer Urlaub steht an. Sicherlich habt ihr schon mitbekommen, dass wir das erste mal nach fast einem Jahr nach Deutschland fliegen.

Wie fühlt sich das an? Seltsam, spannend, ein bisschen aufregend. Emi ist schon ganz aufgeregt. Sie fragt ständig, wann wir fliegen, wie oft sie noch schlafen muss. Was sie wohl erwartet von dieser Reise? Beantworten kann sie mir diese Frage nicht. Ein Jahr lang haben wir tolle Erfahrungen gesammelt, so viele Menschen kennen gelernt, neue Freundschaften geknüpft, uns in der Fremde und Ferne alleine zurecht gefunden. Wir sind gewachsen mit den Erfahrungen und an den Herausforderungen. Ich habe nahezu jede Sekunde bisher hier genossen. Ich bin glücklich über das, was wir hier erleben und glücklich darüber, dass wir uns darüber freuen können, in ein paar Tagen sorglos und unbeschwert nach Deutschland zu fliegen und unsere Familie und Freunde nach so einer langen Zeit wieder in die Arme schließen zu dürfen. Das alles ist nicht selbstverständlich! Es geht uns gut, wir haben Gott sei dank keine großen Sorgen, wir führen ein wirklich sehr priviligiertes Leben, für das wir dankbar sein dürfen.

Und doch gibt es Dinge, Tatsachen, Bilder, Ereignisse, die mich traurig machen, die mich zweifeln lassen, die mich ratlos und sprachlos machen. Und mit unserem sorglosen Besuch in Deutschland schwingt immer so ein bisschen ein Gefühl von Schwere mit. Wie ist die Stimmung in dem Land, dem wir vor einem Jahr nicht unbegründet ganz bewusst den Rücken gekehrt haben. Dass, was über die Medien transportiert wird, zeichnet für uns hier ein manchmal chaotisches, manchmal von Hass und Fremdenfeindlichkeit dominiertes Bild einer menschlichen Landschaft, das mir nicht gefällt, das mich beunruhigt und das ich meinen Kindern nicht zeigen möchte. Und mich beschleicht dieses Gefühl von Unwohlsein und Unsicherheit. Wenn ich an Deutschland denke, dann beginne ich mich schwer zu fühlen, dann sehe ich ganz viel grau, viele grieskrämige Menschen, die sich über alles Mögliche unsinnigerweise beschweren, die unreflektiert ihre Abneigung anderen Menschen gegenüber bekunden, nur weil sie eben anders sind, hierbei ist meistens ganz gleich ob das nun zu Recht oder zu Unrecht geschieht.

Wisst ihr, ich hieß mal anders, ich hatte mal einen deutschen Nachnamen und mit dem war alles so wunderbar einfach. Dann habe ich geheiratet und hatte plötzlich einen türkischen Nachnamen. Und schon wurde alles schwerer. Am Telefon habe ich mich irgendwann bewusst immer mit Vor- und Nachnamen gemeldet, damit ich bloß nicht schon von erster Sekunde an in eine Schublade gesteckt werde. Ich wollte einfach so behandelt werden, wie es mir bisher bekannt war und wie es eigentlich normal sein sollte! Wie verrückt, dass ich meinen deutschen Namen meinem türkischen Nachnamen dafür voransetzen musste, oder? All das, was hinter dieser kleinen Anekdote steckt möchte ich nicht, nicht für meine Kinder, nicht für meinen Mann, nicht für mich! Deutschland, warum machst du es mir so schwer?

Wenn ihr das hier lest, dann sitzen wir gerade im Flieger nach Deutschland, vielleicht sind wir auch schon angekommen. Ich würde mich so freuen, wenn sich mein Gefühl sobald wir ankommen, ändert… Wenn die Bilder der Medien, die uns hier erreichen, falsch sind, die Stimmung, die dadurch transportiert wird, nicht real ist. Und wenn meine Erinnerung an so viele grieskrämige, unfreundliche, voreingenommene Menschen völlig falsch ist.

Hiermit melde ich uns für 2 Wochen dann auch ab. Wir werden eine wundervolle Hochzeit meiner Schwester feiern, tolle Menschen treffen, die ich sehr vermisst habe, hoffentlich viel lachen, gut essen, bis tief in die Nacht quatschen und es uns gut gehen lassen mit all unseren Herzensmenschen!
Bis dahin wünsche ich euch auch eine tolle Zeit. Die Eine und Andere werde ich ja am 8.4. beim #RMEB Café treffen. Darauf freue ich mich auch schon riesig.

 

Die Krux mit dem Erziehen:Vom ständigen “Nein” und konsequentem Handeln

Hier lese ich für euch einen Ausschnitt aus dem Artikel vor:

 

Ich bin eine Spielverderberin!
Wenn ich den Anspruch an mich habe, mich selbst reflektieren zu wollen, dann muss ich das ehrlicherweise zugeben, das  ist die Wahrheit! Als Mama bin ich zu einer echten Spielverderberin geworden. Ich sage gefühlte 100.000 mal am Tag “Nein”? Nein, fass das nicht an! Nein, lass das da liegen! Nein, das ist nicht für Kinder! Nein, das darfst du jetzt nicht! Nein! Nein! Nein! Ich fühle mich wie die größte Spielverderberin und das fühlt sich gar nicht gut an und das macht auch irgendetwas mit mir.

Rückblick – Ich erinnere mich …
Ich erinnere mich, wie ich als Kind manchmal nicht verstehen konnte, wenn auf irgendeine Frage, Aktion, Bitte meinerseits mit “Nein!” reagiert wurde. Ich kann mich noch an das erinnern, was eine solche Reaktion bei mir hervorrief: Wieso denken die Erwachsenen, ich kann das nicht, ich schaffe das nicht, ich bin dafür zu klein, wieso darf ich das nicht und xy darf das…? Fühlte ich mich doch groß und stark und in der Lage vieles zu tun, zu probieren, zu erkunden, was mir von den großen Erwachsenen verboten wurde. Sicherlich war ich nicht zu allem in der Lage und überschätzte gewiss meine kindlichen Fähigkeiten, dennoch hatte ich ein natürliches Vertrauen in mich, ein starkes Selbstvertrauen, an dem irgendwie auch mit jedem “Nein!” ein wenig gerüttelt wurde.
Man müsste meinen, ich hätte aus dieser Erfahrung gelernt, es selbst vielleicht etwas anders zu halten.

Wie ist das nun, wenn man selber Mama ist?
Doch so stehe ich nun heute als Mama da und rufe lauthals meinen Kindern immer wieder ein deutliches und klares “Nein!” zu und das hat ganz viele unterschiedliche Gründe

  • Ich habe Angst, dass mein Kind bei einer Aktion etwas passieren könnte,
  • ich traue meinem Kind manchmal (situationsbedingt) nicht zu, dass es Situationen richtig einschätzen und bestimmte Gefahren abschätzen kann,
  • ich möchte meinem Kind beibringen, dass es Regeln gibt, an die es sich halten soll,
  • Ich möchte meinem Kind Grenzen aufzeigen,
  • Und vieles mehr…

Oftmals ist es so, dass ich mir dann vorkomme wie der größte Spielverderber. Die Große macht etwas, das sie auf keinen Fall machen soll, ich sehe es und unterbreche sie in ihrem Tun mit dem Hinweis darauf, dass sie das nicht darf/ machen soll. Ist die Situation relativ entspannt, biete ich ihr einen Kompromiss an, eine Alternative oder irgendeine Hilfestellung, irgendetwas, womit wir beide uns zufrieden geben könn(t)en. Dieser Kompromiss ist manchmal ok, oft aber doof (für sie!). Ob das nun eine Protestreaktion ist oder der angebotene Kompromiss eventuell tatsächlich nicht so gelungen ist, ist völlig egal, denn das Ergebnis ist oft das selbe: Die Stimmung kippt! Die Situation bedingt, denke ich, allerdings eine solche Reaktion. Selbstverständlich findet ein Kind es nicht toll, wenn es bei etwas unterbrochen wird, was ihm offensichtlich gerade großen Spaß macht und ist nicht sofort in der Lage das zu reflektieren und den von Mama gemachten Kompromiss als gut einzuordnen und bestenfalls anzunehmen.
Manchmal entstehen dann diese Konfliktsituationen, da sie mein Eingreifen und das Verbot nicht versteht und in dem Moment, manchmal auch keinerlei Erklärung zulassen möchte. Ein Kompromiss zu schließen ist in so einer Situation nicht möglich. Jetzt muss irgendwie abgelenkt werden, damit die Stimmung nicht ganz hinüber ist.

Nächste Hürde: Konsequent sein
Mit dem “Nein-sagen” und den ewigen oft ungewünschten Kompromissen ist es ja nicht getan. Obendrein wäre es von Vorteil, wenn ich das, was ich mir von meinen Kindern wünsche, möchte, erwarte, verlange auch konsequent wünsche, möchte, erwarte, verlange. Es bringt ja nun nichts, wenn ich heute A und morgen zu ein und derselben Sache B sage oder sie gar ignoriere. Dann weiß mein Kind nicht, was ich nun eigentlich tatsächlich will oder offensichtlich nicht will, noch scheine ich es selbst zu wissen. Daher tut es gut, bevor ich eine Regel aufstelle oder ein “Nein” ausspreche, darüber nachzudenken, ob das nun wirklich sinnvoll und konsequent von mir gewünscht ist und eingefordert werden kann.
“Don’t say it unless you don’t mean it” –  ein wichtiger Satz für mich, wenn es darum geht, darüber zu entscheiden, wie konsequent ich etwas umsetzen möchte. Einmal ausgesprochen und eingefordert, kann ich nicht am nächsten Tag es plötzlich anders wollen. Natürlich kann man auch mal ein Auge zudrücken und vielleicht einfach mal so tun, als hätte man etwas nun gerade nicht gesehen, doch im Regelfall versuche ich unsere “Regeln” konsequent umzusetzen, was mich oft wieder in die Abseitsposition des Spielverderbers rückt.

Die Krux an dieser “Erziehungs-Sache”
Regeln aufstellen und umsetzen, konsequent darin sein und Grenzen setzen, gleichzeitig noch genug Freiraum für Selbstentfaltung lassen und auf die Bedürfnisse und Wünsche des Kindes angemessen eingehen. Die Waage zu halten zwischen sinnvollen Ver-boten und Ge-boten, das Kind angemessen fördern, doch nicht überfordern, all das klingt in der Theorie so wunderbar einfach und sinnvoll und scheint so viel Harmonie und besonders tolle Kinder und später 1A erwachsene Menschen zu versprechen. Im Alltag fühlt es sich aber oft anders und gar nicht schön an. Es ist anstrengend und irgendwie manchmal unfair. Es kann zermürbend und oftmals mühselig sein. Konsequent dabei sein ist schwierig und gelingt auch nicht immer. Wer ist schon gerne und ständig und irgendwie eigentlich immer der Spielverderber? Und wie sieht überhaupt eine friedliche Erziehung aus? Wie laufen denn solche Situationen im Optimalfall ab, sodass alle Beteiligten sich damit wohl fühlen? Und Mama am Ende vielleicht auch mal nicht nur als Spielverderberin das Feld verlässt, sondern vielleicht auch einfach nur einmal die Heldin ist, die die Situation perfekt gemeistert hat.
(Antworten und Anleitungen hierzu bitte sehr, sehr gerne in den Kommentaren!

Und manchmal gibt es sie doch
Ab und an – wenn ich gerade so absolut gar nicht damit rechne – passiert es. Diese Momente sind kurz und klasse. Da steht sie dann plötzlich vor mir und sagt: Mami, ich habe dich jetzt verstanden.  
Und endlich fühle ich mich nicht mehr wie eine Spielverderberin und irgendwie einfach verstanden und gut!

Wie ist das denn bei euch? Ich freue mich, wenn ihr mir in den Kommentaren darüber berichtet wie ihr es so empfindet mit dem “Nein-sagen”. Wie konsequent seid ihr? Fühlt ihr euch auch manchmal wie ein Spielverderber? Schreibt mir, ich freue mich!