Leben im Ausland

Abschiedsschmerz oder: jede Medaille hat zwei Seiten…

Heute ist kein schöner Tag. Solche Tage soll es ja auch geben. Es ist nicht immer alles eitel Sonnenschein und auch hier kann ich eben doch nicht nur von Dingen erzählen, die toll und schön sind. Doch, ich könnte schon, aber es wäre nicht realistisch. Aber nun von vorne. Wir hatten zwei tolle Wochen. Bei Skype hatte ich mich mit meiner Mama darüber unterhalten, ob und wann sie denn vorhat uns besuchen zu kommen. Da sie im Moment noch Urlaub hat, überraschte sie mich kurz darauf. Sie habe ein Ticket gebucht und würde 1 Woche später bei uns in Seoul sein. Das fand ich einfach klasse. Die Vorfreude war riesig und ich konnte es kaum erwarten. Ich bereitete das Gästezimmer vor, dass bis dahin noch aussah wie eine Rumpelkammer. Ich hatte in dieses Zimmer einfach alles hineingestellt, was wir im Moment nicht brauchten. Da unser Keller 6 Stockwerke unter der Erde und es dort so furchtbar warm ist im Moment, war ich zu faul die Sachen hinunter zu bringen. Das rächte sich nun, ich hatte wirklich einiges aufzuräumen. Doch es machte Spaß, denn ich wusste, wir bekommen Besuch und uns erwartet eine aufregende und spannende Zeit, die ich uns so bequem und gemütlich als nur möglich gestalten wollte. Dazu gehört natürlich ein Zimmer, in dem man sich wohl fühlt, wo man gerne abends einschläft und morgens aufwacht.

Dann kam Mama. Gemeinsam mit meinem kleinen Fräulein Naseweis machte ich mich auf den Weg zum Flughafen. Meinem großen Herzmädchen hatte ich bereits am morgen erzählt, dass am Nachmittag Oma sie vom Schulbus abholen würde. Unser Wiedersehen war so schön, wir haben uns einfach riesig gefreut und haben die ganze Zugfahrt zurück über so viele gesprochen, dass eine Stunde Fahrt wie im Flug verging. Das Wiedersehen mit den Enkelchen war herzzerreißend süß.

Über unsere gemeinsamen Zeit hier in Seoul möchte ich aber in einem anderen Beitrag erzählen, denn sie war so schön, dass es einfach nicht in einen “traurigen” Beitrag gehört.

Heute habe ich Mama zum Flughafen gebracht. Und nun ist sie gerade kurz vor China, also schon ein ganzes Stück von uns weg. Schon gestern beschlich mich plötzlich ein sehr, sehr seltsames Gefühl. Ich kannte das bisher nicht. Ich war innerlich aufgewühlt und fand nicht richtig meine innere Ruhe. Ich fühlte mich unwohl und wusste, dass es jetzt bald wieder Abschied nehmen heißen würde. Das Gefühl trug mich durch den Tag und ich versuchte es einigermaßen zu ignorieren. Am Abend konnte ich nicht gut schlafen. Die Nacht war seltsam. Wirklich lange, gut und fest habe ich nicht geschlafen. Heute morgen musste Oma sich dann unauffällig von der Großen verabschieden. Wir hatten uns entschieden, ihr nichts zu sagen. Für sie war es also ein Morgen wie jeder andere auch.

Nachdem sie zum Schulbus gegangen war, machten wir uns auch auf den Weg Richtung Flughafen. Dieses doofe Gefühl ließ mich nicht los. Ich war einfach richtig traurig. Eincheck-Prozedere erfolgreich abgeschlossen, entschieden wir uns dazu, den Abschied nicht weiter hinaus zu zögern, obwohl noch massig Zeit zur boarding-time war. Doch das muss dann ja auch nicht sein.
Also verabschiedeten wir uns.
Kurz und schmerzlos.
Mama ging zur Passkontrolle, ich drehte mich um, schob den Kinderwagen mit quengelndem Kind vor mir her, drehte mich nicht mehr um und ging zur Bahn.

Und dann brach es plötzlich über mir ein. Ein furchtbares Gefühl, dass mich wirklich trifft. Ist das Heimweh? Ist das irgendwie vielleicht ein bisschen Einsamkeit, weil einem hier so weit weg so viele liebe und vertraute Menschen doch natürlich auch fehlen? Mit Sicherheit kann ich sagen, was es nicht ist. Es ist nicht, das Vermissen eines bestimmten Ortes oder bestimmter Dinge in der Ferne. Es fehlt uns hier Gott sei dank an nichts. Es geht uns so gut, dass kann es nicht sein. Ist es vielleicht die Angst, die Zeit nicht ausgiebig genossen zu haben? Die Traurigkeit darüber, dass die Zeit so schnell vorbei ging? Die Gewissheit darüber, dass so eine gemeinsame Zeit wahrscheinlich eher auch nicht wieder kommt?

Ich habe Respekt vor der Situation, wenn ich nachher meiner Großen sagen werde, dass Oma wieder nach Deutschland geflogen ist. Ich habe es ihr immer wieder gesagt, sie wusste, dass sie hier nur zu Besuch war. Sie hatten eine tolle Zeit, eine sehr intensive Zeit, vor allem auch mit meiner kleinen. Nun kennt Fräulein Naseweis also auch wirklich ihre Oma. Das ist wirklich schön. Und Oma kennt nun unsere Orte hier, unser Zuhause, so wie wir hier leben, das, was wir hier leben. Das war mir wirklich wichtig und es freut mich unwahrscheinlich, dass es geklappt hat, dass sie hier her kommt.

Bestimmt sieht die Welt morgen wieder besser aus, bestimmt geht das vorbei und bestimmt ist das auch ganz normal. Es fühlt sich einfach  nicht schön an, ich muss es irgendwie aushalten und ich weiß auch, dass es ganz an mir selbst liegt, mich aus diesem Gefühl wieder raus zu holen.

Mit meinem nicht wirklich fröhlichem Beitrag heute möchte ich allen, die uns so treu und liebevoll begleiten auch zeigen, dass dieses perfekte Leben hier, eben auch mal un-perfekt und unangenehm sein kann. Alles hat einen Preis. Ja es ist ein Abenteuer und ja, es ist ein ganz besonderes und sehr außergewöhnliches Abenteuer mit 2 Kleinkindern ans andere Ende der Welt zu ziehen, aber es heißt eben auch alles zurück zu lassen, was einem lieb und wichtig ist. Und das habe ich jetzt erst richtig gemerkt. Irgendwann würde dieser Punkt kommen, das wusste ich auch. Dass er dann kommt, wenn Besuch kommt und man sich wieder verabschieden muss, hätte ich nicht gedacht.

Danke Mama, dass du den weiten Weg auf dich genommen hast um hier mit uns zu sein. Ich weiß, du hast eine riesen Flugangst umso mehr bin ich dir dankbar dafür, dass du dich alleine in diesen Flieger gesetzt hast und diese tausende von Kilometern überwunden hast. Es war eine wirklich schöne Zeit und ja, ich freue mich, falls du Lust hast nochmal her zu kommen 🙂 Ich werde heute wahrscheinlich eine 250er Kleenex Packung leer machen. Heute Abend müssen dann meine Mädels herhalten und mich aufmuntern. Gott sei dank habe ich meine Mädels und morgen soll hier die Sonne scheinen. Dann freue ich mich doch einfach auf einen sonnigen September, auf neue Abenteuer mit meinen Expat-Mamis und ja mal sehen, was der Monat noch so alles bringt.

Unterschrift

P.s.: Ich stürze mich auch einfach mal in die Arbeit, bald sollte es mal wieder ein Video von uns geben, oder???

 

 

 

  1. Oh jeh’ das war bestimmt ganz schön schwer den Abschied zu verknusen.
    Ich selbst habe noch nie im Ausland gelebt, obwohl ich mir das schon immer gewünscht habe!
    Als mein großer Sohn ein Jahr in USA gelebt habe, hatte ich auch solche Tage und bin heut sehr froh’ ihn nicht dort besucht zu haben!

    Alles Liebe
    Nina

    • Liebe Nina, vielen lieben Dank für deinen Kommentar. Ja es war ziemlich schwer, aber rückblickend auch eine Erfahrung, um die ich froh bin. LG Johanna

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